Island

Allg. Infos


Allgemeines zu Island
Island liegt wenige Kilometer unterhalb des nördlichen Polarkreises an der Grenze zwischen Nordatlantik und Europäischem Nordmeer. Der Südwesten Islands liegt auf der amerikanischen Kontinentalplatte, der Nordosten auf der eurasischen Kontinentalplatte. Island verdankt seine Existenz den Vulkanen, auch heute kommt es noch in regelmässigen Abständen zu Vulkanausbrüchen. Die Landschaft wird von Gebirgen, sandigen Hochebenen, tiefen Flusstälern, imposanten Wasserfällen, Seen, Gletschern, Vulkanen und Lavalandschaften bestimmt. Ueber 60% der Insel sind Oedland, überwiegend aus erstarrtem Lava. Seit 2008 gibt es den Vatnajökull Nationalpark. Der Vatnajökull ist der grösste Gletscher Islands, seine Fläche entspricht ca. 8% der Gesamtfläche Islands. Er ist auch der grösste Gletscher Europas und mehr als doppelt so gross wie alle Alpengletscher zusammen. Der höchste Berg ist der Hvannadalshnuker mit 2119 m.ü.M, der grösste See der Thingvallavatn (85km2). Die Ausdehnung der Insel beträgt rund 300 km (Nord-Süd) bzw. rund 500 km (West-Ost). Die Küstenlinie beträgt 4970 km, die Nachbarn Islands sind Grönland (287 km entfernt) und die Färöer-Inseln (420 km entfernt).  Erwähnenswert ist noch die Bevölkerungsdichte von bloss 3 Einwohnern pro km2.

Interessante Meinungen aus Fahrrad-Foren zum Thema Fahrradtouren in Island
"Die Isländer haben für solche Verrückten kein Verständnis / Island wäre für mich kein Radreiseland / Island ist eine Herausforderung, aber auch nicht unmöglich oder nur für Spezialkräfte machbar / In Island werden gar nicht wenige ziemlich blind und ahnungslos durch die Gegend stolpern und Rettungseinsätze provozieren / Die Ringstrasse ist völlig problemlos machbar / Du wirst sehen, dass die Insel sehr sehr sehr voll sein wird und du bestimmt einige Radler triffst / Island ist aber auf jeden Fall ein sehr schönes und abenteuerliches Reiseziel / Hauptproblem ist der Wind / war dennoch völlig überrascht wie problematisch es tatsächlich sein kann / Wir hatten in Island überwiegend übelstes Wetter / Radfahrer, wirklich in Bedrängnis, haben wir nur bei Sturm gesehen / Da das Wetter ziemlich bis völlig unberechenbar ist und oft genug heftig umschlägt, muss man sowieso flexibel unterwegs sein / Das aus meiner Sicht heraus wichtigste Utensil in Island ist ein sturmfestes Zelt. Wenn Dir beim Unwetter das Zelt weg fliegt hast Du ein Problem / Für jede Furt und bei jedem Wasserstand musst du das neu durchdenken, und dir dann eine Strategie überlegen / Ich würd in solchen Situationen manchmal am liebsten das Fahrrad einfach in den Fluss werfen, das Gepäck gleich hinterher, und per Anhalter nach Hause fahren / Wenn die Einstellung stimmt schafft man Island, auch auf den Hochlandpisten"

Städte & Dörfer
Etwa 1/3 der gesamten Bevölkerung Islands lebt in Reykjavik. Dann gibt es noch 5 - 6 Städte, welche um oder mehr als 10'000 Einwohner haben, diese liegen jedoch mit Ausnahme von Akureyri allesamt in der näheren Umgebung von Reykjavik. Was das bedeutet? Dass es ausser im Ballungsgebiet von Reykjavik kaum Städte / Ortschaften gibt, wie ich es mir vorstellte. In den Dörfern gibt es ev. eine Tankstelle mit Imbissmöglichkeit, andere Restaurants / Cafés gibt es bei weitem nicht überall. Wir erlebten Orte, wo von aussen kaum ersichtlich war, dass im Gebäude drin Lebensmittel verkauft werden, eine Apotheke vorhanden ist etc. Manchmal waren die Räumlichkeiten auch aufgeteilt in Café / kleiner Lebensmittelladen. Distanzen zwischen den Dörfern können auch mal grösser sein, es kann dann empfehlenswert sein, sich bei Möglichkeit mit Nahrungsmitteln einzudecken oder auch den Autotank rechtzeitig zu füllen.

Klima / Wetter
Das Wetter in Island ist äusserst wechselhaft und kann innert kürzester Zeit umschlagen. Plötzliche Wetterstürze, Nebel & Gewitter , starke Winde und anhaltende Stürme gehören zu Island dazu. Besonders auf dem Fahrrad erhält das Thema Wind eine besondere Bedeutung. Wertvolle Informationen zu aktueller Windrichtung / Windgeschwindigkeit und Windprognosen gibt die Webseite von vegasja.is. Es macht Sinn, die Windprognosen in die Routenwahl miteinzubeziehen. Auch im Sommer sind die Durchschnittstemperaturen in Reykjavik bloss um 11 Grad. Bedingt durch die nördliche Lage bleibt es von Juni bis August lange hell. Während unserem 2 wöchigen Aufenthalt Ende August, Anfangs September 2015 erlebten wir meistens Temperaturen zwischen 9 Grad und ca. 13 Grad. Teilweise blies ein starker, kühler Wind. Meistens war es stark bewölkt. Ca. 3 Tage waren ziemlich sonnig, 3 Tage sehr regnerisch und an den anderen Tagen regnete es immer mal wieder wechselnd mit trockenen Phasen, dazu gab es teilweise dicher Nebel. Auf meiner 7 tägigen Fahrradtour Mitte Juni 2018 im Westen Islands erlebte ich Temperaturen tagsüber zwischen 4 Grad und ca. 10 Grad. Auf einer Höhe von geschätzt 300 - 400 m.ü.M. fiel noch Neuschnee. Die Winde erlebte ich sehr unterschiedlich, eigentlich windet es dauernd, die Intensität und Richtung ändert jedoch regelmässig. An einem Tag waren die Nord-Ost Winde so stark, dass ein Vorwärtsfahren praktisch nicht mehr möglich war, ich zunächst öfters das Fahrrad stossen musste und später die Etappe frühzeitig abbrach. Abgesehen vom Wind erlebte ich viele stark bewölkte Tage, wobei es einen grossen Teil des Tages trocken blieb, teilweise fiel kurzzeitig Nieselregen. An einem Tag regnete es richtig heftig. Teils blauen Himmel und Sonnenschein gabs wenig, die Freude war dann aber umso grösser.

Tiere
Auf unserer ganzen Rundreise im 2015 und der Fahrradtour im 2018 sahen wir sehr viele Islandpferde, aber auch Schafe und vereinzelt Kühe. Dazu ist Island bekannt für Vogelbeobachtungen, wobei uns vor allem der Papageitaucher (gesehen bei Vik im Süden Islands) faszinierte. Auch Walbeobachtungen werden an diversen Küstenorten angeboten, so z.B. in Husavik oder Akureyri. Rentiere gibt es angeblich im Osten Islands, haben wir jedoch keine gesehen. Seehunde sahen wir (entfernt) in den Fjorden im Norden und (ganz nah) auf einer Bootstour auf dem Gletschersee Jökulsarlon. Allgemein kann man sagen, dass die Tierwelt in Island recht artenarm ist.

Strassenverhältnisse
Die Ringstrasse ist sozusagen die Hauptstrasse in Island und führt in ca. 1500 km rund um die Insel herum. Abgesehen von 2 Teilstücken im Osten bzw. Süden der Insel ist sie asphaltiert. Die Höchstgeschwindigkeit ausserhalb von Ortschaften ist 90 km/h, innerorts 50 km/h. Autobahnen gibt es keine. Strassen mit 2-stelligen Nummern sind manchmal ebenfalls noch asphaltiert, jedoch gibt es auch öfters Schotterabschnitte. Strassen mit 3-stelligen Nummern sind dann meistens nicht mehr asphaltiert. Schlaglöcher sind auf allen Schotterstrassen möglich und je nach Witterung und Jahreszeit unterschiedlich ausgeprägt. Auf unserer Rundreise waren die Routen um die Fjorde teilweise nicht asphaltiert und in ihrem Verlauf spektakulär zum fahren. Steile Strassen mit 12-18% Gefälle, enge Kurven, kaum Verkehr, wunderbare Aussichten. Die einzigen Hindernisse waren vereinzelte Schafe, welche sich manchmal am Strassenrand oder auf der Strasse aufhielten oder plötzlich aufkommender dichter Nebel. Der Verkehr war praktisch auf der ganzen Rundreise sehr gering, so dass wir vor allem im Norden & Osten das Gefühl hatten, alleine auf den Strassen unterwegs zu sein. Im Süden verteilte sich der Verkehr dann etwas weniger, da nur die Ringstrasse zwischen den Gletschern und dem Atlantik hindurchführt. Aber auch hier war es noch immer sehr angenehm und ruhig! Wichtige und aktuelle Informationen zu Baustellen oder Wintersperrungen von (Hochland-) Strassen gibts auf der Webseite von road.is Die Webseite vegasja.is zeigt zudem, welches Schotterstrassen bzw. welche Strassen asphaltiert sind.

Auf der Fahrradtour Mitte Juni 2018 im Westen Island erlebte ich nur viel Verkehr im Ballungsgebiet um Reykjavik. Nördlich ab Mosfellsbaer wurde es dann auch auf der Ringstrasse bereits deutlich ruhiger. Auf allen anderen Strassen als der Ringstrasse erlebte ich nur sehr geringen Verkehr. Der Strassenzustand war sehr gut, separate Fahrradstreifen hat es meistens keine. Die rund 60 km lange Schotterstrasse 54 im Norden der Snaefellsness Halbinsel dem Hvammsfjördur entlang war trotz Regen am Vortag sehr gut fahrbar. Durch das tägliche Abfragen der Strassenzustände auf road.is konnte ich feststellen, dass die von mir eigentlich vorgesehene Fahrt auf der Strasse 550 durch das Kaldidalur (isl. kaltes Tal) aufgrund Schneefall wieder gesperrt werden musste. So konnte ich mir frühzeitig eine neue Route zurechtlegen.

Reicht ein Mietauto ohne 4x4?
Diese Frage stellt sich wohl jeder, der das erste mal Island mit einem Mietauto erkunden möchte, so auch wir im Jahre 2015. Auch wir waren etwas verunsichert, ob denn unsere Wahl (ohne 4x4) uns zu sehr bei der Routenwahl einschränken würde. Welche Strassen ohne 4x4 erlaubt sind, entscheidet der Vermieter des Mietautos. Grundsätzlich gilt, dass alle mit F bezeichneten Strassen nur mit hochlandtauglichen 4x4 Fahrzeugen befahren werden dürfen. Bei unserem Vermieter waren zusätzlich die Hochlandpisten Kaldidalur (550) sowie Kjölur (35) verboten. Wir fuhren auf unserer Rundreise oft, aber nicht immer auf der Ringstrasse. Immer mal wieder nahmen wir die äusseren Fjordrouten oder auch Stichstrassen zu anderen Sehenswürdigkeiten. Ganz grob (aber nicht abschliessend) kann man sagen, dass die meisten Routen ausserhalb der Ringstrasse ohne 4x4 erlaubt sind und jene Strassen innerhalb der Ringstrasse (Hochland) tendenziell verboten sind. Aufgrund der Ausgangslage, dass wir Island damals zum ersten mal bereisten und "nur" 2 Wochen dafür Zeit hatten, wir zudem mit einem Kleinkind unterwegs waren, hat für uns ein Mietauto ohne 4x4 sehr gut gereicht. Wir würden es in dieser Situation wieder so machen.

Uebernachtungsmöglichkeiten
Allgemein muss man sagen, dass die Uebernachtungsmöglichkeiten (Ausnahme campieren) beschränkt und die Uebernachtungspreise insbesondere während den Sommermonaten entsprechend oft recht hoch sind. Es empfiehlt sich deshalb, besonders in der Umgebung der Sehenswürdigkeiten frühzeitig zu buchen. Es gibt verschiedene Hotelketten, so z.B. die Edda-Hotels, ihnen sind oft preiswertere Schlafsackunterkünfte angegliedert. Es gibt auch Bauernhöfe mit Privatzimmern und gegen 30 Jugendherbergen ("farfuglaheimili"), welche ebenfalls oft (aber nicht immer) preisgünstigere Schlafsackunterkünfte (svefnpokaplass), also Schlafen im Matratzenlager mit eigenem Schlafsack, anbieten. Campingplätze sind über das ganze Land verteilt, weisen aber einen sehr unterschiedlichen Standard auf; von sehr einfach Kat. C mit kaltem Wasser, Plumpsklo bis zu sehr gut ausgestatteten Campingplätzen Kat. A mit Restaurant, warmen Duschen, Waschmaschinen, Laden, Schwimmbad etc. Vereinzelt sind die Campingplätze / Zeltmöglichkeiten auch an Hotels, Golfanlagen etc. angeschlossen. Es gibt Campingplätze die wunderschön in der Natur oder an einem Wasserfall liegen (z.B. in Skogar) und andere, die man kaum als Campingplatz erkennt. Entsprechend ist man auf eigene Kochgelegenheiten angewiesen und Stromanschlüsse sind nicht immer vorhanden. Das wilde zelten, also das zelten ausserhalb von Campingplätzen ist grundsätzlich erlaubt. Verboten ist es in allen Nationalparks und Naturschutzgebieten, auf privatem (oft eingezäunten) Gelände oder in Nähe eines Campingplatzes. Beim Zelten sollten die besonderen Gegebenheiten in Island beachtet werden, z.B. Winde / Stürme (Zelt sehr gut befestigen!)  starke Regenfälle (Platz sinnvoll auswählen / zusätzliche Matte) harte Böden mit ev. spitzen Steinen (Zeltboden beschädigen). Auf meiner Fahrradtour Mitte Juni 2018 habe ich wechselnd outdoor (also im Zelt) und indoor (Jugendherberge / B&B) übernachtet. Ein Campingplatz war noch geschlossen, allg. waren alle drei  Campingplätze sehr einfach ausgestattet und nur von wenigen Personen besucht (jeweils 2 - 5 Parteien). Auf einem Platz wurde das Geld erst am späteren Abend einkassiert, bei einem anderen hiess es auch es käme noch jemand, was aber nicht geschah. Der noch geschlossene Campingplatz war gratis.

Unsere persönlichen Top 3 Highlights
- Gletschersee Jökulsarlon am Südrand des Vatnajökull (mit Schiffsfahrt zwischen den Eisbergen hindurch)
- Wasserfall Dettifoss (der "leistungsstärkste" Wasserfall Europas)
- Fahrt um die Vatnsnes Halbinsel (ungeteerter, sehr schöner Strassenverlauf) sowie Route von Dalvik über die Bergstrasse 82 nach Siglufjördur.

Fazit Rundtour Auto:
Wir sind auf unserer Rundreise (sehr) viel Auto gefahren. Die Distanzen von Hütte zu Hütte waren mit ca. 400 km in Anbetracht der vielen Sehenswürdigkeiten dazwischen und der Tempolimite von 90 km/h etwas gar lang. Auch an den "Ruhetagen" waren wir oft grössere Strecken mit dem Auto unterwegs, um die landschaftlichen Schönheiten oder Fischerdörfer zu erkunden. Auf isländisches Wetter waren wir vorbereitet, trotzdem hätten wir natürlich gerne etwas mehr Sonnenstunden und etwas weniger (ganze) Regentage erlebt. Und trotzdem... Island ist mit seiner weiten, unberührten Natur mit den kargen Lavawüsten, den riesigen Gletschergiebieten, den unzähligen wunderschönen Wasserfällen, spektakulären Schotterstrassen, Geysiren, blubbernden Solfataren, kleinen Dörfern und den schönen Islandpferden auch ohne 4x4 und mit Kleinkind ein Highlight, an dem jeder Naturliebhaber seine Freude haben wird.

Fazit Island Fahrradtour:
Bei nur 7 Tagen Fahrradtour ist ein Fazit natürlich nicht ganz einfach. Grundsätzlich habe ich Island mit allen Wetter-Facetten (abgesehen von Schneefall) kennengelernt, gerade im rauen Klima wenn man den starken Winden / Stürmen ausgesetzt ist weiss man, dass man genau auch deswegen das Abenteuer Island per Fahrrad ausgewählt hat. Gleichzeitig ist es paradoxerweise dann genau diese Situation, welche mich fast verzweifeln liess, weil ich mich der Natur beugen musste. Grundsätzlich macht es mir mehr Spass bei Sonnenschein zu fahren, die Farben sind dann einfach gigantisch, gerade in Island und doch weiss jeder Island Besucher, dass er wahrscheinlich mehr Wolken & Regen erleben wird als blauen Himmel. Wenn dann aber die Sonne scheint, springt das Herz vor Freude. Die Landschaft ist einzigartig, der Verkehr gering, die Massenzivilisation weit weg. Einkaufs- und Essensmöglichkeiten müssen sorgfältig geplant sein, denn es können schnell mal 50 km bis zur nächsten Versorgungsmöglichkeit vergehen und wenn man durch Gegenwinde nicht vom Fleck kommt, dann ist man froh hat man noch etwas zu Essen & Trinken dabei. Im Vergleich zur Auto-Rundtour habe ich deutlich weniger von der spektakulären Natur Islands entdeckt, was aber auch an meiner Routenwahl, der kurzen Aufenthaltsdauer sowie der geringen Bereitschaft von mir, bei diesen Winden Umwege bzw. Stichstrassen für gewisses Sehenswürdigkeiten in Kauf zu nehmen, gelegen hat. Meine Erwartungen wurden zwar nicht übertroffen, aber sicher erfüllt.

Anforderungen:
Obwohl Island ein traumhaft schönes Land ist, können viele Isländer nicht verstehen, weshalb man Island per Fahrrad entdecken möchte. Wer die Herausforderung des isländischen Klimas nicht scheut und genügend Zeit mit bringt, wird Island lieben.

Persönliche Bewertung:
Wer die Natur liebt muss Island unbedingt gesehen haben, egal ob mit dem Auto, Camper oder dem Fahrrad.