Island

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Ausgangslage
Dass wir irgendwann mal Island bereisen wollten, stand für uns schon länger klar. Die Landschaft im hohen Norden sei einzigartig in Europa, kam uns immer wieder zu Ohren. Mit einem Kleinkind stellte sich die Frage jedoch eher nach dem "wann" und dem "wie". Nach reiflicher Ueberlegung entschieden wir uns gegen eine Fahrradtour & gegen ein Wohnmobil, stattdessen für eine Automiete (ohne 4x4), wo die Hütten bereits vorreserviert sind und mehrere Uebernachtungen in der gleichen Hütte geplant sind. Diese Variante schien uns mit Kleinkind am sinnvollsten. So starteten wir Ende August 2015 zu einer 2 wöchigen Rundreise um Island.

Allgemeines zu Island
Island ist rein vulkanischen Ursprungs, auch heute kommt es noch in regelmässigen Abständen zu Vulkanausbrüchen. Die Ausdehnung der Insel beträgt rund 300 km (Nord-Süd) bzw. rund 500 km (West-Ost). Der Südwesten Islands liegt auf der amerikanischen Kontinentalplatte, der Nordosten auf der eurasischen Kontinentalplatte. Ueber 60% der Insel sind Oedland, überwiegend aus erstarrtem Lava. Seit 2008 gibt es den Vatnajökull Nationalpark. Der Vatnajökull ist der grösste Gletscher Islands, seine Fläche entspricht ca. 8% der Gesamtfläche Islands. Er ist auch der grösste Gletscher Europas ausserhalb des Polargebiets. Unter der Eisschicht des Vatnajökull gibt es etliche aktive Vulkanzentren. Die Nachbarn Islands sind Grönland (287 km entfernt) und die Färöer-Inseln (420 km entfernt).

Reicht ein Mietauto ohne 4x4?
Diese Frage stellt sich wohl jeder, der das erste mal Island bereist. Auch wir waren etwas verunsichert, ob denn unsere Wahl (ohne 4x4) uns zu sehr bei der Routenwahl einschränken würde. Welche Strassen ohne 4x4 erlaubt sind, entscheidet der Vermieter des Mietautos. Grundsätzlich gilt, dass alle mit F bezeichneten Strassen nur mit hochlandtauglichen 4x4 Fahrzeugen befahren werden dürfen. Bei unserem Vermieter waren zusätzlich die Hochlandpisten Kaldidalur (550) sowie Kjölur (35) verboten. Wir fuhren auf unserer Rundreise oft, aber nicht immer auf der Ringstrasse. Immer mal wieder nahmen wir die äusseren Fjordrouten oder auch Stichstrassen zu anderen Sehenswürdigkeiten. Ganz grob (aber nicht abschliessend) kann man sagen, dass die meisten Routen ausserhalb der Ringstrasse ohne 4x4 erlaubt sind und jene Strassen innerhalb der Ringstrasse (Hochland) tendenziell verboten sind.

Strassenverhältnisse
Die Ringstrasse ist sozusagen die Hauptstrasse in Island und führt in ca. 1500 km rund um die Insel herum. Abgesehen von 2 Teilstücken im Osten bzw. Süden der Insel ist sie asphaltiert. Die Höchstgeschwindigkeit ausserhalb von Ortschaften ist 90 km/h, innerorts 50 km/h. Autobahnen gibt es keine. Strassen mit 2-stelligen Nummern sind manchmal ebenfalls noch asphaltiert, jedoch gibt es auch öfters Schotterabschnitte. Strassen mit 3-stelligen Nummern sind dann meistens nicht mehr asphaltiert. Schlaglöcher sind auf allen Schotterstrassen möglich und je nach Witterung und Jahreszeit unterschiedlich ausgeprägt. Auf unserer Rundreise waren die Routen um die Fjorde teilweise nicht asphaltiert und in ihrem Verlauf spektakulär zum fahren. Steile Strassen mit 12-18% Gefälle, enge Kurven, kaum Verkehr, wunderbare Aussichtten. Die einzigen Hindernisse waren manchmal Schafe, welche sich manchmal am Strassenrand oder auf der Strasse aufhielten oder plötzlich aufkommender dichter Nebel. Der Verkehr war praktisch auf der ganzen Rundreise sehr gering, so dass wir vor allem im Norden & Osten das Gefühl hatten, alleine auf den Strassen unterwegs zu sein. Im Süden verteilte sich der Verkehr dann etwas weniger, da nur die Ringstrasse zwischen den Gletschern und dem Atlantik hindurchführt. Aber auch hier war es noch immer sehr angenehm und ruhig!

Städte & Dörfer
Etwa 1/3 der gesamten Bevölkerung Islands lebt in Reykjavik. Dann gibt es noch 5 - 6 Städte, welche um oder mehr als 10'000 Einwohner haben, diese liegen jedoch mit Ausnahme von Akureyri allesamt in der näheren Umgebung von Reykjavik. Was das bedeutet? Dass es ausser im Ballungsgebiet von Reykjavik kaum Städte / Ortschaften gibt, wie ich es mir vorstellte. In den Dörfern gibt es ev. eine Tankstelle mit Imbissmöglichkeit, andere Restaurants / Cafés gibt es bei weitem nicht überall. Wir erlebten Orte, wo von aussen kaum ersichtlich war, dass im Gebäude drin Lebensmittel verkauft werden, eine Apotheke vorhanden ist etc. Manchmal waren die Räumlichkeiten auch aufgeteilt in Café / kleiner Lebensmittelladen. Distanzen zwischen den Dörfern können auch mal grösser sein, es kann dann empfehlenswert sein, den Autotank rechtzeitig zu füllen.

Wetter
Während unserem 2 wöchigen Aufenthalt Ende August, Anfangs September erlebten wir meistens Temperaturen zwischen 9 Grad und ca. 13 Grad. Teilweise blies ein starker, kühler Wind. Meistens war es stark bewölkt. Ca. 3 Tage waren ziemlich sonnig, 3 Tage sehr regnerisch und an den anderen Tagen regnete es immer mal wieder wechselnd mit trockenen Phasen, dazu gab es teilweise dicher Nebel.

Campingplätze
Ein Thema, dass mich als Fahrradfahrer interessiert, wir jedoch mit dem Auto nur am Rande beurteilen können. Wir sahen viele "Campingplätze", die aus einer einfachen Wiese mit Toilettenhäusschen bestanden. Wenn diese nicht besetzt / leer waren, war es kaum als Campingplatz erkennbar, da diese teilweise auch mitten im Dorf neben einem Parkplatz lagen. Solche Campingplätze würden mich eher zum "wild campieren" motivieren. Gegen Ende unserer Tour sahen wir dann aber auch noch 2 - 3 sehr schöne Campingplätze, wunderschön in der Natur gelegen. So liegt die Campingwiese in Skogar direkt vor einem wunderschönen, grossen Wasserfall. Wer sich vorher informiert, wird also sicher einige schöne Campingplätze finden.

Tiere
Auf unserer ganzen Rundreise sahen wir sehr viele Islandpferde, aber auch Schafe und vereinzelt Kühe. Dazu ist Island bekannt für Vogelbeobachtungen, wobei uns vor allem der Papageitaucher (gesehen bei Vik im Süden Islands) faszinierte. Auch Walbeobachtungen werden an diversen Küstenorten angeboten, so z.B. in Husavik oder Akureyri. Rentiere gibt es angeblich im Osten Islands, haben wir jedoch keine gesehen. Seehunde sahen wir (entfernt) in den Fjorden im Norden und (ganz nah) auf einer Bootstour auf dem Gletschersee Jökulsarlon. Allgemein kann man sagen, dass die Tierwelt in Island recht artenarm ist.

Unsere persönlichen Top 3 Highlights
- Gletschersee Jökulsarlon am Südrand des Vatnajökull (mit Schiffsfahrt zwischen den Eisbergen hindurch)
- Wasserfall Dettifoss (der "leistungsstärkste" Wasserfall Europas)
- Fahrt um die Vatnsnes Halbinsel (ungeteerter, sehr schöner Strassenverlauf) sowie Route von Dalvik über die Bergstrasse 82 nach Siglufjördur.

Fazit
Wir sind auf unserer Rundreise (sehr) viel Auto gefahren. Die Distanzen von Hütte zu Hütte waren mit ca. 400 km in Anbetracht der vielen Sehenswürdigkeiten dazwischen und der Tempolimite von 90 km/h etwas gar lang. Auch an den "Ruhetagen" waren wir oft grössere Strecken mit dem Auto unterwegs, um die landschaftlichen Schönheiten oder Fischerdörfer zu erkunden. Auf isländisches Wetter waren wir vorbereitet, trotzdem hätten wir natürlich gerne etwas mehr Sonnenstunden und etwas weniger (ganze) Regentage erlebt. Und trotzdem... Island ist mit seiner weiten, unberührten Natur mit den kargen Lavawüsten, den riesigen Gletschergiebieten, den unzähligen wunderschönen Wasserfällen, spektakulären Schotterstrassen, Geysiren, blubbernden Solfataren, kleinen Dörfern und den schönen Islandpferden auch ohne 4x4 und mit Kleinkind ein Highlight, an dem jeder Naturliebhaber seine Freude haben wird.