Kroatien

Biker Infos

Allgemeines:
Kroatien grenzt an Slowenien (670 km) und Ungarn (329 km) im Norden, Serbien und Bosnien mit Herzegowina (932 km) im Osten sowie Montenegro (25 km) im äussersten Süden. Im Westen und Südwesten bildet das Adriatische Meer die natürliche Staatsgrenze (1778 km). Man kann Kroatien in 3 verschiedene Landschaftszonen einteilen: a) Pannonische Tiefebene (überwiegend Flachland, unterbrochen von einigen Mittelgebirgen) b) Dinarische Gebirgsregion (auch kratisches Hügelland genannt, wird von Mittel- und einzelnen Hochgebirgen geprägt, die die Wasserscheide zwischen Donau und Adria bilden) c) Adriatische Küstenregion (besteht zu grossen Teilen aus verkarsteten Flächen. Die Breite des Küstenstreifens variiert jedoch stark. Die Küstenregion lässt sich nochmals gliedern in: Istrien (Halbinsel), Hrvatsko Primorje (Küstenland um Rijeka und Senj), Dalmatien (ab Zadar südwärts nach Split, Dubrovnik). Zu Kroatien gehören zudem 1246 Inseln, von denen 47 bewohnt sind. Die 5 grössten Inseln sind Cres, Krk, Brac, Hvar und Pag. Der höchste Berg Kroatiens liegt im Dinara-Gebirge; der Dinara (Sinjal) mit einer Höhe von 1831 m. Kroatien verfügt über 8 Nationalparks und 10 geschützte Naturparks. Insgesamt stehen 450 Gebiete unter Naturschutz, das sind ca. 10% des kroatischen Festlands. Ueber 35% des Landes sind von Wäldern bedeckt. Auch grosse Raubtiere wie Braunbären, Wölfe, Schakale und Luchse sind in Kroatien, v.a. in den gebirgigen Regionen anzutreffen.

Klima /Wetter:
Nördlich der Dinarischen Küstengebirge überwiegt kontinentales Klima, südlich davon ist das Mittelmeer wetterbestimmend. Im Süden kommt der Wind meist aus Nordwest, im Binnenland eher aus Nordost bis Ost. In der Pannonischen Tiefebene herrscht gemässigtes Kontinentalklima. In der dinarischen Gebirgsregion herrscht Gebirgsklima und in der adriatischen Küstenregion mediterranes Klima.
Während unserer Tour im Juni in der Region Dalmatien erlebten wir bereits die frühsommerliche Hitze Kroatiens mit Temperaturen um 30 Grad.

Jüngste Geschichte Kroatiens:
Kroatien als eines der sechs Teilrepubliken Jugoslawiens (1945 - 1991)
Unabhängigkeit Kroatiens durch eine Volksabstimmung (1991)
Unabhängigkeits-Krieg Kroatien (1991 - 1995)

Achtung Minen:
In den bis 1995 umkämpften Gebieten besteht bis heute eine Gefährdung durch Landminen. Dies gilt insbesondere für die damaligen Frontlinien. Es wird geschätzt, dass in Kroatien noch zwischen 700.000 bis 2,5 Millionen Minen verstreut sind. Da keine Lagepläne über die Minenfelder angelegt worden sind und Minen über die Jahre anfangen zu „wandern“, ist die Minenbeseitigung sehr aufwendig.
Betroffen sind folgende Gebiete: 


- Ostslawonien (30 bis 50 km vor der Grenze zu Serbien und an der Grenze zu Ungarn, insbesondere Gebiete um VukovarVinkovi; Westslawonien (Daruvar, Pakrac, Virovitica)
- das westliche und südwestliche Grenzgebiet zu Bosnien (der Raum südlich von Sisak und Karlovac, östlich von Ogulin, Otocac, Gospic, am östlichen Stadtrand von Zadar und im Hinterland der Küste zwischen Senj und Split und in den Bergen südöstlich von Dubrovnik).
(Diese Angaben sind ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Aktualität! Bitte informiert Euch vorgängig genaustens über die aktuelle Minen-Situation.
Folgende Seiten geben z.B. Auskunft: Auswaertigen Amt Deutschland, Croatian mine action centre.
Erfahrungsbericht: Auf unserer Tour im Hinterland von Zadar um den Prezidpass sowie von dort Richtung Sibenik erlebten wir noch wahre "Geisterdörfer" mit zerbombten Häusern aus der jüngsten Kriegszeit. Minen-Warnschilder oder andere Ermahnungen, die ein Verlassen der Strasse untersagt hätten, konnten wir jedoch, zumindest entlang unserer Route, keine beobachten.

Währung / Preisniveau:
Die Kosten für Essen und Trinken sind eher tief. Auch die Kosten auf Campingplätzen waren o.K. Allerdings waren wir noch nicht von den Hochsaison-Preisen betroffen. 


Radfahren:
Kroatien ein Geheimtipp für Biker? Nein, denn Kroatien ist bei Bikern bereits so beliebt, dass es kein "Geheim"-Tipp mehr ist. Das Interesse konzentriert sich dabei vorwiegend auf die dem Meer zugewandten Regionen wie z.B. die Halbinsel Istrien, aber auch  auf die Küstenlandschaft Dalmatiens mit den dalmatischen Inseln. Erst weit abgeschlagen folgt das kroatische Berg- und Hügelland nördlich Zagrebs oder das Hinterland um den Mali Alan und Prezid-Pass nördlich von Zadar. Meine Erfahrungsberichte beruhen auf die Gegend um den Prezidpass sowie der Küsten-Region Dalmatien. Auf unserer Tour wurden wir dabei positiv überrascht vom Verhalten der Auto- und Lastwagenlenker. Wir fühlten uns wohl auf den Strassen und fühlten uns (Ausnahme Hauptverkehrsachse an Split vorbei) jeweils sicher und beachtet. Die Ueberholmannöver waren oK und auch das Verkehrsaufkommen war im Juni nicht übermässig. Hier hat die in den letzten Jahren neu gebaute Autobahn sicherlich einen grossen Anteil daran... Ich könnte mir allerdings sehr gut vorstellen, dass dies in der Hochsaison ab Juli, wenn der Massentourismus über Kroatien herfällt, vor allem entlang der Küste schlagartig ändern könnte. Eher einsamere Abschnitte finden sich im Hinterland und auch abseits der grossen Hauptstrassen. Die Strassenverhältnisse sind grösstenteils sehr gut, allerdings gibt es immer noch einzelne Nebenstrassen, die nicht asphaltiert sind (z.B. zwischen Obrovac und Sibenik). Wer Kroatien per Rad erkunden möchte, wird wohl nur selten eine ebene Strasse vorfinden. Egal ob von Insel zu Insel, im Hinterland oder entlang der Küste, Kroatien hat wunderschöne Hügel und Berge über oder entlang denen man fahren muss/darf.

Camping / Uebernachtungen
Gegen 300 Campingplätze gibts in Kroatien, die sich aber vorwiegend am Meer befinden. Freies campen ist offiziell nicht erlaubt, wird aber toleriert.
Auf unserer Tour haben wir häufig wild campiert. Man findet vor allem abseits der Küste genügend Möglichkeiten sein Zelt aufzustellen. Bei den Bacinska-Seen fragten wir zudem direkt beim Hausbesitzer nach und konnten so einen wunderbaren Platz am See in Anspruch nehmen. Es lohnt sich also durchaus auch mal direkt jemanden anzusprechen. Was anderes erlebten wir in Dubrovnik und Split beim Busbahnhof. Da wurden wir regelrecht "bedrängt" mit privaten Angeboten (Sobe). Wir waren überrascht, dass uns da Zimmer angeboten wurden die günstiger waren als der Campingplatz. Sinkt die Nachfrage, sinken auch die Preise...

Bei der Routenplanung zu berücksichtigen:
- Nationalparks Plittwitzer Seen
- Berg- und Hügelland Hrvatsko Zagorje (nördlich von Zagreb)
- Krka-Fälle (Nationalpark)
- Mali Alan Pass oder Prezid-Pass (ca. 50 km von Zadar)
- Bacinska jezera (Seen) und Neretva-Delta
- Küstenroute bei Makarska (Makarska Riviera)
- Altstadt von Dubrovnik
- Viele Inseln die einladen zum Inselhüpfen

Kroatien aus meiner Sicht:
Von Kroatien war mir bereits vorher bekannt, dass das Land (vor allem die Inseln und die Küstenroute) bei Fahrradfahrern sehr beliebt ist. Ueber das Verkehrsaufkommen hörte ich eher wenig Gutes. Sorge bereitete mir vor der Tour auch die Umgebung beim Mali Alan und Prezid-Pass, wo die Landschaft wunderschön ist, aber wegen Minengefahr Vorsicht geboten sei. Soweit meine Vorkenntnisse. Unsere Tour startete im Hinterland nördlich von Zadar und führte uns über den Prezidpass in die Region Dalmatien. Gleich am ersten Tag sahen wir Ortschaften im Hinterland, welche noch immer stark unter den Folgen des Balkankrieges leiden. Von Tourismus war da rein gar nichts zu spüren, dagegen bleiben mir die "Geisterdörfer" mit den zerstörten Häusern in Erinnerung. Auf unserer Route auf dem Festland Dalmatiens wurde ich durch die regelmässigen "Highlights" positiv überrascht. Kein Tag verging ohne irgend einen besonderen Eindruck. Die wunderschönen Wasserfälle im Krka Nationalpark, aber auch die Bacinska Seen nähe des Neretva Delta waren Blickfänge. Sehr schöne Streckenabschnitte erlebten wir beim Prezid-Pass, sowie an der Makarska Riviera, wo die Strasse grösstenteils über dem Meer, entlang karstigen Gebirgswänden führte und schöne Blick zu einzelnen Buchten und zu den Inseln ermöglichen. Die Altstadt von Dubrovnik (UNESCO) war mit seinen Mauern, Türmen, Palästen und Kirchen zum Tourende nochmals ein toller kultureller Höhepunkt.

Anforderungen:

Man sollte sich vorher genau informieren, wie anspruchsvoll die gewählte Route ist. So gibt es vor allem bei den Inseln erhebliche Unterschiede. Eine gewisse Grundkondition und "Freude" an Steigungen und Abfahrten sind aber sehr empfehlenswert.

Persönliche Bewertung:
Kroatien ist ein sehr vielseitiges Land. Das Hinterland und die Küste sind gerade in der Region Dalmatien sehr nah beisammen, dazu lassen sich auch problemlos ein paar Inseln in die Tour integrieren. Faszinierende (Alt-)Städte und wunderschöne Nationalparks sorgen dazu für regelmässige Highlights.