Litauen

Biker Infos

Die Länder:

Das Baltikum, das sind drei eigenständige Staaten, nämlich Estland, Lettland und Litauen an der nordöstlichen Küste der Ostsee. Gemeinsam haben sie Ihre Vergangenheit als Republiken Sowjetunions und die Gegenwart als Mitlieder der EU (seit 2004). Auch in den baltischen Staaten erlebt man unberührte Natur, vor allem aber kulturelle Vielfalt. Ein großer Teil der drei Baltischen Staaten ist von ursprünglichen Wäldern und Mooren bedeckt. Zahlreiche Nationalparks und Naturschutzgebiete bieten Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Unterschiedlich sind die Landessprachen, viele sprechen auch noch russisch.


Preisniveau:

Im Vergleich zu Skandinavien, Oesterreich und der Schweiz lebt es sich in den baltischen Staaten mit wenig Geld ziemlich lange. In den Hauptstädten Tallin, Riga und Vilnius ist es sicherlich etwas teurer als auf dem Land, wer in diesen Städten in einem Hostel übernachten möchte, muss aber etwas tiefer in die Taschen greifen. Jedes Land hat seinen eigene Währung.


Sprache:

Russisch oder Kenntnisse in der jeweiligen Landessprache sind insbesondere ausserhalb der Grossstädte von grossem Vorteil. Jüngere Leute sprechen auch Englisch oder Deutsch.


Klima:

Im Sommerhalbjahr weht es überwiegend aus (süd-) westlichen Richtungen. In den Tieflandebenen kann der Wind unangenehm steif und hartnäckig sein. Die besten Radreisemonate sind Juni bis September. Im Küstenbereich wirkt das Meer temperaturausgleichend, so dass hier auch der Oktober noch tourengeeignet sein kann.


Radfahren:

Das Baltikum ist dank seiner sanften Steigungen besonders prädestiniert für Radtouren. Die Infrastruktur für Radfahrer ist jedoch ziemlich begrenzt, es hat nur wenig ausgewiesene Fahrradwege (höchstens in Estland). In den Städten oder auf grossen Hauptstrassen ist Radfahren wegen teilweiser rücksichtloser Auto- und Lastwagenfahrer weniger zu empfehlen. Besonders schön ist die waldreiche, leicht hügelige Gegend Südestlands. Starker Wind kann manchmal sehr kräftezehrend sein. In Estland sind mehr Strassen asphaltiert als in Lettland und Litauen. In Estland gibt es auch ein gut markiertes Radtourennetz, die Routen sind darauf aber häufig um ein Vielfaches länger als auf Haupt- Nebenstrassen. Wegen dem rauen Asphalt und den Schotterstrassen ist eine gute Bereifung empfehlenswert. Manchmal ist es unvermeidlich, auf der Standspur der Autobahn zu fahren. Baltische Autofahrer kennen dies aber angeblich, entsprechend regt sich niemand auf. Die Autobahnen ähneln ohnehin eher gut ausgebauten Landstrassen. Achtung:
Man darf nicht mit vielen Fahrradwerkstätten rechnen, die „westliche“ Fahrräder reparieren können. Daher sollten ausreichend Ersatzteile und Werkzeug mitgenommen werden. 




Camping:

Campingplätze hat es ca. 50 in Estland, ca. 20 in Lettland und ca. 10 in Litauen. In Litauen hat es dafür mehrere Jugendherbergen. Eine zunehmende Zahl von Bauernhöfen bietet ebenfalls Zeltmöglichkeiten an. Die Bauern im Baltikum sind meistens hilfsbereit, wenn es um einen Standplatz fürs Zelt geht. Campen in der freien Natur wird weitgehend toleriert, ist in den Nationalparks aber verboten.


Bei der Routenplanung zu berücksichtigen:
- Tallin (Estland) - mit seinen imposanten Stadtmauern und der Alexander Nevski Kathedrale
- Narva (Estland) an der Grenze zu Russland mit imposanten Festungen beidseits der Grenzen
- Die Inseln Sareemaa, Muhu und Hiiuma in Estland
- Riga (Lettland) – die grösste und für viele die schönste Stadt des Baltikums
- Kaunas (frühere Hauptstadt Litauens)
- Berg der Kreuze (ein mit tausenden von Kreuzen übersäter Hügel 17 km nördlich von Siauliai, Litauen)


Schönste Routen meiner Tour:
- Narva – Rääbise (Estland) 145 km
- Tartu – Valmiera (Lettland) 142 km
- Tytuvenai – Kaunas (Litauen) 120 km

Die Baltischen Staaten aus meiner Sicht:
Estland: Von den 3 Hauptstädten im Baltikum hat mich vor allem Tallin (Estland) sehr beeindruckt; die orthodoxen Kirchen, die Stadtmauern, viele andere Sehenswürdigkeiten und natürlich die Menschen. Abseits der Hauptstadt fährt man im Landesinneren entlang vielen Kornfeldern, durch wäldliche Gebiete, vorbei an Flüssen, Seen und Teichen. Wer zudem interessiert an Autos und Lastwagen in den 1970er Jahren ist, kommt hier voll auf die Rechnung. Die höchste Erhebung liegt bei 318 m.ü.M. Die Arbeitslosigkeit ist gerade auf dem Land gross und obwohl ich nicht selten mit „komischen“ Blicken konfrontiert wurde und auch durch Einheimische vor Kriminalität gewarnt wurde, so erlebte ich gerade in diesem armen Land eine Gastfreundschaft und Offenheit, die ich nicht erwartet hätte. Meiden sollte man in den baltischen Staaten die Hauptstrassen (z.B. von Tallin nach Narva), diese sind als Fahrradfahrer nichts für schwache Nerven und übrigens auch nicht schön. Apropos Narva, diese Ortschaft im Nord-Osten Estlands grenzt zu Russland und bietet einen imposanten Blick auf zwei direkt gegenüberliegende Festungen, jene auf russischer Seite, die andere in Estland.
Lettland: Meine Route durch Lettland war relativ direkt, so dass ich nicht wirklich sehr viele Erlebnisse wie z.B. in Estland mitnehmen konnte. Durch den Gaujas Nationalpark kam ich nach Césis, wos eine schöne Ruine zu besichtigen gibt. In Riga existieren der grösste Dom des Baltikums und über 800 grosse Jugendstilhäuser. Auch in Lettland erlebt man genügend wäldliche Gebiete, Flüsse und Teiche. Die höchste Erhebung liegt bei 311 m.
Litauen: Weite Ebenen, sanftes Hügelland, dichte Wälder, Flüsse, Seen und Sumpfgebiete findet man in Litauen und den 5 Nationalparks. Aufgefallen sind mir vor allem auch die vielen Bauernhöfe mit Vieh auf den Feldern und bellende Hunde vor den Höfen. Allgemein habe ich Litauen hügeliger wahrgenommen als die anderen Staaten, so z.B. durch das hügelige Hochland (bis 200m) südlich von Kaunas. Ich persönlich empfand Litauen nicht nur geographisch, sondern auch vom Fortschritt her den „westlichsten“ Staat des Baltikums.


Anforderungen:
Die Landschaft ist nur wenig hügelig. Die Strassen sind nicht immer ideal, der Verkehr (auf Hauptstrassen) kann auch mal „anspruchsvoll“ sein. 



Persönliche Bewertung:
Aus kultureller Sicht sind diese östlichen Länder jedenfalls sehr empfehlenswert. Landschaft bedingt empfehlenswert.