
Dänemark 2026
Jütland (Nordsee- und Ostsee)
Biker Infos
Allgemeines Dänemark
Dänemark ist das südlichste und kleinste der skandinavischen Länder. Mit rund 6 Millionen Einwohnern (Stand 2026) zählt Dänemark zudem zu den eher dünn besiedelten Ländern Europas. Ohne die zum Königreich gehörenden Färöer-Inseln und Grönland umfasst das Land eine Fläche von 43’094 km² und ist damit nur wenig grösser als die Schweiz. Der überwiegende Teil der Landesfläche entfällt auf die Halbinsel Jütland, welche Dänemark mit dem europäischen Festland verbindet. Die Entfernungen innerhalb des Landes sind vergleichsweise kurz. Die Luftlinie vom nördlichsten Punkt bei Skagen bis zum südlichsten Punkt bei Gedser beträgt rund 356 Kilometer, von Esbjerg an der Nordsee bis nach Kopenhagen etwa 301 Kilometer. Dank seiner Lage zwischen Nordsee und Ostsee besitzt Dänemark zwei Küsten mit ganz unterschiedlichem Charakter mit einer beeindruckenden Küstenlänge von rund 7’300 Kilometern, da zahlreiche Inseln, Buchten und Fjorde die Küstenlinie stark gliedern. Berge sucht man in Dänemark vergeblich. Die höchste natürliche Erhebung, der Yding Skovhøj, erreicht lediglich 173 Meter über Meer.
Wetter in Jütland im Sommer 2026
Das Wetter war auf unserer Tour der grössere Einflussfaktor als die Topografie. Jütland ist zwar meist flach, dafür bestimmt der Wind oft, wie anstrengend eine Etappe tatsächlich wird. Schnelle Wetteränderungen sind nicht selten. An der Nordseeküste zeigte sich das Wetter von seiner rauen Seite. Während unserer ersten Woche lagen die Tagestemperaturen meist nur zwischen 16 und 18 °C, nachts kühlte es auf rund 14 °C ab. Gleichzeitig blies der kühle Nordwestwind während mehrerer Tage relativ stark, einzelne Böen erreichten sogar bis zu 80 km/h. Selbst an sonnigen Tagen liefen manche Menschen in Shorts und T-Shirt auf dem Campingplatz oder am Strand entlang, während andere bereits eine Windjacke oder sogar eine Mütze trugen. Auch wir hatten tagsüber oft eine zusätzliche (zweite) Kleidungsschicht an. Bereits wenige Kilometer von der Westküste entfernt wurde es aber dank dem abklingenden Wind spürbar wärmer. Überhaupt erlebten wie über die 3 Wochen sehr viele Sonnentage, in der zweiten Hälfte sogar nur noch. Nur an 2 Tagen fuhren wir im Regen. An der Ostseeküste erlebten wir die Tage freundlicher, weil wärmer (21 - 27 Grad) und deutlich weniger windig. Gerade diese Gegensätze machen den Reiz einer Tour durch Jütland aus. Man erlebt das Wetter unmittelbar und passt den Tagesrhythmus automatisch daran an. Die Meerestemperaturen betragen im Sommer 16 - 21 Grad.
Radfahren in Jütland
Meine Eindrücke beziehen sich hauptsächlich auf die Nordseeroute 1 (EuroVelo 12) entlang der Westküste sowie auf die Nationale Fahrradroute 5 an der Ostseeküste.
Insgesamt empfand ich das Radfahren in Jütland als sehr angenehm. Die offiziellen Fahrradwege sind durchgehend gut signalisiert und verlaufen häufig auf separaten Radwegen oder verkehrsarmen Nebenstrassen. Asphaltierte Abschnitte wechseln sich regelmässig mit Schotterwegen ab. Wo wir auf der Strasse unterwegs waren, wurden wir von den dänischen Autofahrern stets rücksichtsvoll überholt, sodass wir uns während der gesamten Tour sicher fühlten.
Westküste – Nordseeroute 1
Auf der Insel Rømø verläuft der Radweg grösstenteils parallel zur Hauptstrasse. Der ausgeschilderte Panoramaweg ist zwar angenehm zu fahren, landschaftlich empfand ich ihn jedoch nicht als besonderes Highlight. Deutlich eindrücklicher wurden die Etappen weiter nördlich entlang der Nordseeküste. Hier führt die Route durch weite Dünenlandschaften, Heidelandschaften und vorbei an kleinen Seen. Die Nordsee ist oft nah, aber vom Fahrradsattel aus aufgrund der Dünen nicht im Sichtfeld. Die Landschaft wirkt ursprünglich, offen und oft erstaunlich menschenleer. Gerade diese Weite und Ruhe machten für mich einen grossen Teil des Reizes aus. Die Kehrseite dieser offenen Landschaft ist der Wind. Kräftiger Seiten- oder Gegenwind gehört an der Westküste fast schon dazu und kann selbst flache Etappen überraschend anspruchsvoll machen. Dafür wird man mit eindrücklichen Naturerlebnissen belohnt. Velogeschäfte, Velomechaniker oder Outdoorläden sind entlang der Nordseeküste eher selten. Auch Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants gibt es zwar regelmässig, die Abstände dazwischen können aber grösser sein als erwartet. Es lohnt sich daher, Verpflegung und kleinere Reparaturen etwas vorauszuplanen.
Ostküste – Nationale Route 5
Die Nationale Route 5 an der Ostsee hat einen deutlich anderen Charakter. Während unserer Reise waren die Temperaturen hier vergleichsweise wärmer, der Wind kaum spürbar und die Region wirkte insgesamt touristischer und belebter. Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und Cafés finden sich deutlich häufiger als an der Westküste. Die Route führt durch landwirtschaftlich geprägte Regionen mit Korn- und Rapsfeldern, kleinen Dörfern, Wäldern und gelegentlichen Ausblicken auf die Ostsee. Im Gegensatz zur nahezu flachen Westküste müssen hier auch einige kleinere Anstiege bewältigt werden. Landschaftlich empfand ich die Ostküste als weniger spektakulär. Viele Abschnitte ähneln sich, und die Route verläuft stellenweise entlang stärker befahrener Strassen oder über längere Schotterpassagen. Dafür laden die zahlreichen Strände zu Pausen ein.
Während unserer Tour begegneten wir vor allem Pferden auf den Weiden, Schafen auf den Deichen, Kühen sowie zahlreichen Vogelarten. Mit etwas Glück konnten wir in einem Feld einmal einen Fuchs und direkt vor uns auf dem Fahrradweg einen Feldhasen beobachten.
Trotz der teilweise kräftigen Nordwestwinde hat uns die Westküste insgesamt besser gefallen. Die raue Nordsee, die endlosen Dünenlandschaften und das Gefühl von Weite und Abgeschiedenheit machten diese Etappen für uns besonders eindrücklich. Perfekt wäre die Kombination aus den wilden Landschaften der Westküste und dem wärmeren, sonnigeren Wetter der Ostseeküste.
Camping und Shelter
Wer mit dem Fahrrad durch Dänemark reist, findet ausgezeichnete Übernachtungsmöglichkeiten. Campingplätze und Shelter ergänzen sich ideal und ermöglichen eine sehr flexible Reiseplanung. Ende Juni und in der ersten Juliwoche nahmen wir sowohl auf Rømø als auch entlang der Nordseeküste überall problemlos freie Campingplätze wahr. Eine Reservation scheint für Zeltreisende zu dieser Zeit nicht zwingend notwendig. An der Ostsee waren auf den Campingplätzen deutlich mehr Menschen, jedoch hatte es immer noch vereinzelt freie Plätze. Ab 12 Jahren zählt und bezahlt man in Dänemark den Erwachsenenpreis. Eine Übernachtung im Zelt auf einem Campingplatz kostete uns zwischen CHF 60.— und CHF 70.— pro Nacht. Wer ein Zelt mitnimmt, sollte die Windverhältnisse nicht unterschätzen. Während unserer Reise konnten wir unser höheres Familienzelt auf einem Campingplatz wegen der heftigen Böen gar nicht erst aufstellen und entschieden uns stattdessen spontan für eine Campinghütte. Gerade an der Westküste lohnt sich deshalb ein möglichst windschnittiges Zelt. Obwohl viele Campingplätze einen kleinen Laden inkl. der Möglichkeit Brote zu bestellen anbieten, empfanden wir die Auswahl an Nahrungsmitteln als sehr limitiert. Es war uns kaum möglich durch Einkäufe auf dem Campingplatz ein Abendessen zusammenzustellen, abgesehen von Teigwaren. Teilweise bieten die Campingplätze Mikrowellen, Backöfen oder Kühlschränke zur allgemeinen Benutzung an.
Die Shelterplätze gehören für mich zu den schönsten Einrichtungen Dänemarks, welche wir rückblickend zu wenig oft in Anspruch genommen haben. Kostenlos übernachten, mitten in der Natur, oft mit Feuerstelle, Trinkwasser und Toilette in unmittelbarer Nähe – ein Angebot, das man in dieser Form nur selten findet. Zu beachten gilt, dass man gewisse Shelter reservieren kann und andere rein nach dem Prinzip „first come, first serve“ funktionieren. Für Shellters in Dänemark sei die „Shelter“ App empfohlen.
Praktisch zu wissen: Gaskartuschen der Marke „Campingaz“ waren während unserer Reise im Sommer 2026 überraschend nicht zu finden. Wer mit einem Campingaz-Kocher unterwegs ist, sollte genügend Gasreserven mitnehmen oder vor Ort andere Gaskartuschen inkl. Aufsatz kaufen.
Ein angenehmer Nebeneffekt des oft kräftigen Windes: An der Nordsee waren Mücken für uns nie ein Thema. Erst an der geschützteren Ostseeküste tauchten vereinzelt Mücken auf, sodass wir uns an einzelnen Abenden mit Mückenspray schützten, aber störend war es nie. Wir haben vorgängig die meisten Campingplätze reserviert. Auch rückwirkend würden wir dies gerade bei Fahrradtouren mit Kindern wieder so machen, da der Zeitaufwand für das tägliche Suchen und Organisieren des nächsten Übernachtungsplatzes damit wegfällt.
Schönste Etappen meiner Tour:
- Ringkobing – Thisted 120 km (Tour 2005)
- Thisted - Lokken - Frederikshavn 155 km (Tour 2005)
- Oksbol - Argab 39 km (Tour 2026)
- Thyboron - Humlum 60 km (Tour 2026)
Dänemark aus meiner Sicht:
Eine Fahrradtour durch Dänemark lebt weniger von spektakulären Sehenswürdigkeiten als von der Landschaft und dem Gefühl, draussen unterwegs zu sein. Weite, unverbaute Ebenen, Dünen, Fjorde, Wälder und landwirtschaftlich geprägte Flächen wechseln sich stetig ab und vermitteln ein angenehmes Gefühl von Ruhe und Freiheit. Der Wind (und manchmal auch Regen) gehört dabei fast immer dazu und prägt das Reisen oft stärker als die flache Topografie. An manchen Tagen begegnet man Menschen in T-Shirt und Shorts, während andere gleichzeitig mit Windjacke oder Mütze unterwegs sind – ein typisches Bild des dänischen Sommers.
Unterwegs fallen die zahlreichen Windräder ebenso auf wie die traditionellen Backstein- und Reetdachhäuser, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Die Däninnen und Dänen begegneten uns durchwegs freundlich und hilfsbereit, und vielerorts konnten wir uns problemlos auch auf Deutsch verständigen.
Das gut ausgebaute Velowegenetz, die vielen Campingplätze und Shelter sowie die langen Sommertage (Sonnenaufgang 05.00 Uhr - Sonnenuntergang 22.00 Uhr) machen das Reisen mit dem Fahrrad angenehm und unkompliziert. Gleichzeitig entschleunigt Dänemark: Statt möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken, nimmt man sich Zeit für die Natur, geniesst die Ruhe und entdeckt unterwegs die vielen kleinen Besonderheiten des Landes. Genau diese Kombination aus Weite, Natur, Wind und Gelassenheit macht für mich den besonderen Reiz einer Fahrradtour durch Dänemark aus.
Persönliche Bewertung
Das Reiseerlebnis ist in Dänemark stärker als in anderen Ländern vom Wind und dem wechselhaften Wetter abhängig. Die Kombination aus tollen separaten Fahrradwegen, abwechslungsreicher Natur, kostenloser Shelterplätzen, langen Sommertagen und einer entspannten Atmosphäre macht das Land jedoch grundsätzlich zu einem idealen Reiseziel – sowohl für erfahrene Radreisende als auch für Familien mit Kindern.
Tagebuch
Vorwort
Nachdem wir unsere letzten jeweils 3-wöchigen Familien-Fahrradtouren im Jahr 2024 (Via Rhona), 2022 (Atlantik-Route) sowie 2021 (Euro-Velo 6 zwischen Nantes und Basel) allesamt in Frankreich verbrachten, haben wir uns in diesem Jahr für eine Tour in Dänemark entschieden. Weshalb gerade Dänemark? Auch Dänemark gilt als sehr fahrradfreundliches Land und abgesehen von meiner 7-tägigen Erfahrung mit dem Fahrrad während meiner grossen Europatour 2005 haben wir als Familie noch keine Erlebnisse in Dänemark gemacht. Ich freue mich, das Land nun auch mit unseren 9 und 13 Jahre alten Kindern erkunden zu können und hoffe natürlich, dass das skandinavische Wetter gnädig sein wird, da wir oft im Zelt auf Camping- und Shelter-Plätzen übernachten möchten. Für die Hin- und Rückreise mit dem Zug haben wir bereits frühzeitig Tickets inkl. Fahrradplätze reserviert und uns unter anderem auch wegen den Zugverbindungen für eine Fahrradtour auf der Insel Jütland entschieden, wobei wir die Westküste mit der windigen Nordsee ebenso kennen lernen möchten wie die etwas sonnigere Ostküste mit der Ostsee. Da wir in der Hauptsaison reisen und uns nicht unnötig oft am Smartphone für die Suche nach neuen (nicht ausgebuchten) Uebernachtungsorten verweilen möchten, haben wir bereits frühzeitig die meisten Campingplätze / Jugendherbergen reserviert. Bei den Shelters sowie einzelnen Streckenabschnitten möchten bzw. müssen wir aber spontan vor Ort entscheiden. Ein paar mal haben wir uns zudem bei Ruhetagen für eine Hütte entschieden, weil wir das Risiko für Regentage in Dänemark halt schon höher einschätzen als im Süden. So hoffen wir zunächst mal auf eine reibungslose Anreise und natürlich wieder eine tolle Outdoor-Familien-Zeit auf unseren Fahrrädern.
Samstag 27. Juni 2026 - Anreise mit dem Zug
In Erwartung eines sehr langen Reisetages nach Sylt besteigen wir in Basel frühmorgens den Zug. Sitzplätze und Fahrradplätze haben wir schon vor Monaten reserviert. 12 Stunden soll die Anreise dauern. Der Zug rollt los. Doch schon nach wenigen Minuten wird klar: Diese Reise wird anders verlaufen als geplant. Unsere Reise beginnt alles andere als reibungslos. Bereits am Badischen Bahnhof in Basel stehen wir über eine Stunde fest, weil zwischen Freiburg und Offenburg ein Baum auf den Gleisen liegt. Und das ausgerechnet an einem der heissesten Tage des Jahres mit fast 39 °C. Für die funktionierende Klimaanlage sind wir in diesem Moment sehr dankbar.
Was danach aber weiter folgt, ist ein zäher, nervenaufreibender Reisetag. Immer wieder hält der Zug an, immer wieder warten wir. Nach vielen Stunden dann die nächste Meldung: Umleitung wegen Personen auf den Gleisen. Spätestens jetzt wird klar – heute läuft nichts nach Plan. In Osnabrück kommt schliesslich der Tiefpunkt: Der Zug fährt nicht weiter, weil das Personal die maximale Arbeitszeit erreicht hat. Gefrustet steigen wir aus – mit vier Fahrrädern und der bangen Frage, ob wir Hamburg überhaupt noch erreichen werden. Wir werden von Gleis zu Gleis geschickt, immer in der Hoffnung auf den nächsten Zug nach Hamburg. Mehrmals schleppen wir deshalb unsere Fahrräder Treppen hoch und wieder runter. Die Hitze, die Unsicherheit und die Ungewissheit zerren an den Nerven. Und dann – endlich – ein kleiner Lichtblick: Ein Zug mit freien Fahrradplätzen. Die Erleichterung ist riesig. Doch längst ist klar, dass wir Sylt heute nicht mehr erreichen werden. Nach über 13 Stunden unterwegs kommen wir erst (aber immerhin) gegen 20:30 Uhr in Hamburg an – müde, erschöpft, aber auch erleichtert, überhaupt angekommen zu sein. In der Zwischenzeit haben wir bereits ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs gebucht. Unsere Camping-Reservation auf Sylt und die bereits geleistete Vorauszahlung dagegen verfallen.
Sonntag 28. Juni 2026 - Wenningstedt (Insel Sylt DE) nach Lakolk (Insel Römö DK)
In dieser Nacht sind in etlichen Gebieten kräftige Gewitter niedergegangen. Falls wir den gestrigen Reisestrapazen rückblickend eine gute Seite abgewinnen möchten, dann ist es wohl diese: Wir mussten das Unwetter nicht im Zelt erleben. So steigen wir guter Dinge in den Regionalzug von Hamburg nach Sylt. Die 3-stündige Zugfahrt, welche wir heute nachholen müssen, bringt unseren Zeitplan nicht gross durcheinander. Doch wieder werden unsere Nerven auf die Probe gestellt. Schon wieder liegt nämlich ein Baum auf den Gleisen – diesmal verursacht durch das nächtliche Gewitter. Der Zug fährt zwar los, doch plötzlich kommt die Hiobsbotschaft: "Endstation in Itzehoe. Der Zug fährt nicht weiter. Ersatzbusse stehen bereit". Der Gedanke, unsere Fahrräder in Busse zu verladen, fühlt sich fast wie ein schlechter Witz an. Kurz überlegen wir bereits, welche Alternativen überhaupt noch bleiben. Doch etwa 2 min vor Ankunft in Itzehoe geschieht das Unerwartete: Die Strecke ist wieder frei. Der Zug fährt weiter bis Sylt. Im ganzen Zug macht sich Erleichterung breit – ich applaudiere. Auch viele andere Reisende atmen hörbar auf. Eine spürbare Last fällt von uns ab und das Ende der Anreise ist absehbar.
Um 12:15 Uhr sitzen wir endlich auf den Fahrrädern. Jetzt beginnt unsere dreiwöchige Velotour endlich richtig. Die Sonne scheint, ein frischer Wind weht – genau das Wetter, das wir uns nach den Hitzetagen in Basel erhofft hatten. Wir fahren Richtung Norden, ans nördliche Ende der Insel und machen einen kurzen Abstecher zur Uwe-Düne. Sie ist mit 52,5 m.ü.M. die höchste Erhebung auf Sylt. Auf separaten Fahrradwegen geht es durch die schöne Dünenlandschaft. Um 14:30 Uhr setzen wir mit der Fähre von List nach Rømø über und erreichen somit Dänemark. Schon von der Fähre aus ist der riesige Sandstrand im Süden der Insel mit den vielen Autos darauf und den Drachen in der Luft sichtbar. Die rund 12 km bis zu unserem Campingplatz in der Mitte der Insel fahren wir auf separaten Fahrstreifen entlang der Hauptstrasse. Als wir den Campingplatz Lakolk erreichen, sind wir überrascht von den vielen Menschen und den zahlreichen Läden. Nach den ruhigen Stunden auf dem Fahrrad wirkt dieser Ort sehr lebhaft. Auf dem Campingplatz bauen wir erstmals auf einer Fahrradtour zwei verschiedene Zelte auf, da es in einem Zelt zu viert doch recht eng ist. Später laufen wir zum Lakolk-Strand und staunen über diese unglaubliche Weite des Strandes und die vielen Motorfahrzeuge, die direkt auf dem Sand unterwegs sind. Natürlich lassen wir uns ein erstes Bad in der Nordsee nicht nehmen. In diesem Moment sind die Strapazen der letzten zwei Tage plötzlich ganz weit weg. Der Sonnenuntergang gegen 22:15 Uhr ist eindrücklich, und selbst um 23:00 Uhr ist es noch hell.
An unserem ersten Ruhetag nehme ich mir Zeit, Rømø alleine mit dem Fahrrad zu erkunden. Der südliche Teil der Insel hatte mich am Vortag eher wenig beeindruckt, deshalb bin ich gespannt, was mich im Norden erwartet. Ich folge teilweise der Panorama-Route und teilweise der kaum befahrenen Hauptstrasse. Doch je weiter ich fahre, desto mehr wird mir bewusst, dass die eigentlichen Höhepunkte der Insel nicht in kleinen Dörfern oder Sehenswürdigkeiten liegen, sondern in ihrer Weite und ihrer Ruhe. Hübsche Ortschaften entdecke ich keine. Vereinzelt grasen Pferde auf den Weiden, daneben stehen typische Reetdachhäuser. Abgesehen vom lebendigen Hauptort Havneby scheint auf der Insel mit ihren rund 600 Einwohnern wenig Betrieb zu herrschen. Es scheint sogar so, als seien die Einkaufsäden vom Lakolk Strand Camping die einzigen Einkaufsmöglichkeiten für den nördlichen Teil der Insel. Die eigentlichen Highlights bleiben für mich die riesigen Sandstrände von Lakolk und im Süden der Insel.
Dienstag, 30. Juni 2026 - Insel Rømø nach Ribe
Nach einer etwas kühleren Nacht starten wir bei sehr angenehmen Temperaturen in den Tag. Wir fahren ostwärts und verlassen die Insel Rømø über den rund zehn Kilometer langen Damm, der mitten durch das Wattenmeer führt. Nach 17 Kilometern legen wir beim Marsk Tower in Skærbæk unseren ersten Halt ein. Der 2021 eröffnete Aussichtsturm führt über 146 Stufen auf eine Höhe von 25 Metern und bietet einen beeindruckenden Blick über die weite Marschlandschaft. Zurück auf dem Festland geht es nordwärts. Wir folgen der Beschilderung der EuroVelo 12 beziehungsweise der Nordseeroute 1. Während die ersten 27 Kilometer grösstenteils entlang von Hauptstrassen verlaufen, zweigen wir später auf ruhige Nebenstrassen sowie Schotter- und Asphaltwege ab. Die Strecke führt durch Kornfelder und Weideland, entlang von Deichen und kleinen Teichen. Unterwegs entdecken wir sogar einen Fuchs auf einem Feld, passender könnte ein Begleiter für unsere Reise wohl kaum sein. Am Wattenmeerzentrum machen wir Halt und gönnen uns gegen 14.00 Uhr das Mittagessen. Anschliessend sind es nur noch rund 30 Minuten bis zu unserem Campingplatz kurz vor Ribe. Dort gäbe es die Möglichkeit, eine Fischerlizenz zu erwerben und das Abendessen selbst aus einem der kleinen Seen zu fangen. Die Idee gefällt uns, angesichts der fortgeschrittenen Zeit verzichten wir jedoch darauf. Nach einer kurzen Pause machen wir uns stattdessen auf den Weg in die Altstadt von Ribe, der ältesten und zugleich einer der schönsten Städte Dänemarks. Die kleinen Gassen, die historischen Häuser und die ruhige Atmosphäre verleihen der Altstadt einen ganz besonderen Charme. Wir staunen aber nicht schlecht, dass die meisten Geschäfte bereits um 18.00 Uhr geschlossen haben. Für das Abendessen wählen wir das Hotel Dagmar, das älteste Hotel Dänemarks, mitten in der schönen Fussgängerzone von Ribe. Hier möchte Rebi natürlich auch kulinarisch etwas Typisches ausprobieren und bestellt ein Fischgericht. Als das Essen serviert wird, sieht der Fisch allerdings stellenweise etwas gewöhnungsbedürftig aus. Auf unsere Nachfrage erklärt uns der Kellner, dass es sich dabei um die Eierstöcke des Fisches handle – eine Delikatesse, die man selbstverständlich mitessen könne. Diese Erklärung sorgt bei uns allerdings nicht gerade für mehr Appetit. So bleibt dieser Teil des Fisches schliesslich unberührt auf dem Teller liegen. Anschliessend kehren wir zum Campingplatz zurück und lassen den Abend nach einer Partie Fussball, auf einer Holzbank am Wasser gemütlich ausklingen. Heute wagen wir den Versuch, wieder zu viert in einem einzigen Zelt zu übernachten. Mal sehen, wie die Nacht wird – zumal im nahegelegenen Unterstand noch einige Leute angeregt miteinander plaudern.
Mittwoch, 01. Juli 2026 - Ribe nach Esbjerg
In der Nacht werden wir gleich zweimal vom Regen geweckt. Das Zelt müssen wir deshalb am Morgen nass einpacken. Immerhin zeigt sich: Zu viert in einem Zelt zu schlafen ist nach wie vor möglich, auch wenn es eng ist. Bei sehr angenehmen Temperaturen folgen wir weiter der Nordseeroute 1. Die schmale Asphaltstrasse führt durch endlose Weiten, auf denen kaum Verkehr herrscht. Das Landschaftsbild wird von sattem Wiesengrün und strahlendem Himmelblau geprägt. Erst die letzten zehn Kilometer vor Esbjerg verlaufen parallel zur Hauptstrasse und wirken dadurch etwas weniger naturnah. Bis jetzt führte unsere Reise nur selten direkt an der Nordseeküste entlang. Das ändert sich heute mit dem Erreichen der berühmten Skulptur Mennesket ved Havet («Der Mensch am Meer») unmittelbar nach Esbjerg. Von dort aus fahren wir der Nordsee entlang und erreichen nach wenigen Kilometern gegen 15.30 Uhr unseren Campingplatz. Dieser verfügt zwar über einen Pool, liegt aber leider rund einen Kilometer vom Meer entfernt. Das herrliche Wetter geniessen wir ganz bewusst. Wir baden im Pool, lesen und schreiben am Holztisch neben unserem Zelt und kochen uns ein feines Risotto mit Poulet. Die heutige Etappe war besonders reizvoll: Sie führte grösstenteils durch eine ruhige, weite Landschaft, fernab der Zivilisation. Für morgen sind allerdings grosse Regenmengen angesagt – wir sind gespannt, was uns erwartet.
Donnerstag, 02.Juli 2026 - Esbjerg nach Kaergard
Wie vorhergesagt beginnt es gegen 7.00 Uhr sehr stark zu regnen. Dazu weht ein kräftiger Südwind. Wir müssen entscheiden, ob wir die intensive Regenphase bis zum Mittag im Zelt aussitzen oder trotzdem losfahren wollen. Da uns der Wind grundsätzlich in Fahrtrichtung unterstützt, wäre das zwar ein Vorteil. Trotzdem entscheiden wir uns zunächst für einen gemütlichen Morgen – auch wenn wir das Zelt später im intensiven Regen zusammenpacken müssen. Das Frühstück geniessen wir immerhin in einem kleinen Aufenthaltsraum. Schon nach etwa einer halben Stunde hört der Regen glücklicherweise auf, doch gerade als wir glauben, dass es nun trocken bleibt, setzt er erneut ein. Trotz Regenkleidung werden wir unterwegs etwas durchnässt und freuen uns deshalb umso mehr auf eine Pizza zum Mittagessen in Oksbøl. Dort lassen wir uns bewusst Zeit um trocken zu werden. Neben dem Mittagessen gönnen wir uns noch einen Kaffee und erledigen unsere Einkäufe. Da wir heute sozusagen „wild“ übernachten möchten, müssen wir alles Nötige bereits hier besorgen. Von Oksbøl sind es nur noch rund zehn Kilometer bis zu unserem Übernachtungsplatz. Wir hoffen, diese Strecke ohne weiteren Regen zurücklegen zu können. Die Panoramaroute führt Richtung Küste durch wunderschöne Waldgebiete sowie abgelegene Heide- und Dünenlandschaften. Es herrscht eine beeindruckende Ruhe – kaum Autos, keine Ferienhäuser und fast keine Menschen. Dafür gibt es Natur, soweit das Auge reicht. Schliesslich erreichen wir den Naturpark Kærgård Plantage bei Blochsgård. Hier stehen kostenlose Shelter zur Verfügung, daneben gibt es eine Wiese zum Zelten, eine Feuerstelle, eine Toilette und sauberes Trinkwasser. Lediglich Brennholz fehlt. Unsere erste Aufmerksamkeit gilt nun den nassen Kleidern und dem durchnässten Zelt. Der kräftige Wind hält an, und unser Zelt wie auch die Büsche und Bäume biegen sich bedrohlich hin und her. Zum Abendessen kochen wir Hörnli mit Hackfleisch, unsere Regenjacken halten den kalten Wind vom Leib. Später trifft noch ein weiterer Veloreisender ein, dem wir gerne einen Teil unserer etwas zu gross geratenen Portion Hörnli anbieten. Da unser Zelt in den starken Windböen – teilweise bis gegen 80 km/h – weiterhin heftig flattert, machen wir uns schliesslich doch noch auf die Suche nach einer etwas geschützteren Ecke. Am Ende zügeln wir unser gesamtes Lager nochmals und hoffen, dass wir dort eine ruhigere Nacht verbringen können.
Freitag, 03. Juli 2026 - Kaergard nach Argab
Die Nacht war ausgesprochen stürmisch. Das laute Rauschen der Bäume begleitete uns bis zum Morgen. Es brauchte einiges an Vertrauen, dass unser Zelt den kräftigen Böen standhalten würde und die nahen Äste nicht nachgeben würden. Umso froher waren wir, dass wir das Zelt am Vorabend kurz vor dem Schlafengehen noch an einen etwas geschützteren Platz verschoben hatten. Auch um 5.30 Uhr erleben wir wieder eine Wachphase und so schalten wir wie geplant unser iPad an, um das WM-Spiel der Schweiz gegen Algerien zu verfolgen. Nach dem Schlusspfiff legen wir uns nochmals hin und geniessen ein paar Stunden Schlaf, bevor wir schliesslich gegen 10.30 Uhr auf die Velos steigen.
Der starke Nordwestwind mit Böen zwischen 40 und 70 km/h begleitet uns den ganzen Tag. Die kühle Luft und die heftigen Seitenwinde fordern uns sowohl beim Gleichgewicht als auch mit dem zusätzlichen Kraftaufwand, der nötig ist, um überhaupt vorwärtszukommen. Entsprechend fällt unser Tempo deutlich tiefer aus. Umso mehr beeindruckt mich, wie selbstverständlich und tapfer die Kinder diese Herausforderung annehmen. Belohnt werden wir mit einer wunderschönen Strecke. Besonders ab Nymindegab, wo wir unsere Mittagspause einlegen, führt die Route über die schmale Landzunge zwischen dem Ringkøbing Fjord und der Nordsee. Die Dünenlandschaft ist eindrücklich. Den Fjord sehen wir – abgesehen von seinem südlichen Ausläufer – kaum, doch die Nordsee ist teilweise über kurze Wege durch die Dünen erreichbar. Dort zeigt sie sich von ihrer wilden Seite. Gewaltige Wellen peitschen an den Strand und der starke Wind treibt uns den Sand regelrecht ins Gesicht. Die Kraft der Natur ist eindrücklich zu erleben. Gegen 15.15 Uhr erreichen wir den Campingplatz. Als wir versuchen, bei den stürmischen Bedingungen unser Zelt aufzubauen, müssen wir den Versuch schliesslich abbrechen. Ein Novum für mich. Stattdessen entscheiden wir uns spontan, für diese Nacht und den morgigen Ruhetag eine kleine Hütte zu mieten. Toll, dass dies so spontan überhaupt noch möglich ist, die Kids freut es entsprechend. Noch vor dem Abend machen wir einen kurzen Spaziergang durch die Dünen zur Nordseeküste. Anschliessend wärmen wir unsere vom Wind ausgekühlten Körper im beheizten Pool wieder auf. Beim Einschlafen hören wir draussen noch immer das ununterbrochene Heulen des Windes – ein passender Abschluss eines Tages, an dem die Natur die Hauptrolle gespielt hat.
Der Ruhetag am nächsten Morgen beginnt mit einer grossen Überraschung. Der Wind ist wie weg geblasen und die Sonne scheint. Die Temperaturen sind so angenehm, dass wir wieder in kurzen Kleidern herumlaufen können. So geniessen wir den Tag mit Lesen, Trampolin springen, Baden und Spazieren in der Nordsee & dem Hallenbad und dem Anblick der Dünen. Parallel waschen wir nach einer Woche on Tour unsere Kleider und leben ganz einfach in den Tag hinein. Dieser Ruhetag hat nach 4 Fahrtagen in Folge und gegen 200 km im Fahrradsattel gut getan. Nun freuen wir uns aber auf die Weiterfahrt mit vielen neuen Eindrücken.
Sonntag, 05. Juli 2026 - Argab - Ulfborg (Thorsminde)
Nach dem wunderbaren Wetter gestern, begleitet uns schon am Morgen wieder kräftiger Gegenwind. Immerhin scheint die Sonne, sodass sich die Anstrengung etwas leichter ertragen lässt. Weil der Wind so stark ist, entscheiden wir uns, nicht die offizielle Nordseeroute auf Schotter, sondern auf der Hauptstraße auf Asphalt zu fahren. Durch das Fahren gestern im Sand hören wir bei einem Fahrrad unserer Kinder das Rattern der Fahrradkette. Leider habe ich kein Kettenöl eingepackt und auf der Strecke heute werden wir dies auch nicht besorgen können. Als erste touristische Ortschaft erreichen wir Hvide Sande. Hier findet sonntags jeweils eine Fischauktion statt. Verschiedene Fischarten werden hier an den Meistbietenden verkauft wobei jeweils ein Mindestpreis ausgerufen wird. Auf der Landzunge zwischen Nordsee und dem Ringkøbing Fjord fahren wir weiter nordwärts, wobei der Fjord heute für uns deutlich präsenter ist. Ansonsten staunen wir über diese weite und offene Landschaft, gesäumt von den typisch dänischen Häusern, die sich teilweise mitten in den Dünen harmonisch in die Natur einfügen. In Søndervig, dem nächsten Touristenort, besuchen wir das Skulpturenfestival. Hier dürfen wir meterhohe Sandkunstwerke bestaunen, die jedes Jahr wieder aufs Neue erstellt werden. Zum Abschluss der heutigen Etappe führt uns der Weg durch ein wunderschönes Waldstück und erreichen schließlich unseren heutigen Shelterplatz am Waldspielplatz Spidsbjerg bei Ulfborg. Im Wald entdecken wir unzählige kleine Wichtelhäuschen, die mit viel Liebe an Bäumen und Baumstümpfen gebaut wurden. Dieser Ort hat sofort etwas Märchenhaftes. Doch unsere Aufmerksamkeit gehört unserer ersten Übernachtung in einem Shelter. Dass dieses Angebot kostenlos ist, finden wir großartig. Nun sind wir gespannt, wie unsere erste Nacht mitten im Wald verlaufen wird. Im Moment bemerken wir wegen des kräftigen Windes zumindest noch keine Mücken. Die offene Seite gegen vorne haben wir zudem mit unserer Zeltunterlage etwas abgedeckt. Nachdem wir mit einem Dänischen und einem Deutschen Biker-Paar noch am Feuer gesessen sind, verkriechen wir uns in unsere Schlafsöcke. Mit gemeldeten Tiefstwerten um 13 Grad, könnte die Nacht kühl werden.
Montag, 06. Juli 2026 - Ulfborg nach Thyboron
Unsere erste Nacht im Shelter verläuft durchwegs positiv. Alle haben richtig gut geschlafen und dank dem Wind waren Mücken gar kein Thema. So hat die anfängliche Skepsis in ein positives Erlebnis gewechselt. Beim Aufstehen nieselt es leicht, und im Verlauf des Vormittags wird der Regen etwas stärker. Dafür ist heute kaum Wind – nach den stürmischen Tagen zuvor immerhin eine wohltuende Erleichterung. So kommen wir deutlich besser voran als erwartet. Erneut fühlen wir uns über weite Strecken wie im Niemandsland. Die Landschaft wirkt rau, ursprünglich und beinahe endlos. Wenn wir überhaupt Menschen begegnen, dann sind es meist andere Touristen. Unsere Route führt an kleinen Seen vorbei und erneut über eine schmale Landzunge zwischen dem Nissum Fjord und der Nordsee. Rechts das ruhige Fjordwasser, links die offene See – ein faszinierender Kontrast. Kurz vor dem Bovbjerg Leuchtturm erreichen wir den schönsten Abschnitt des Tages. Direkt an der steil abfallenden Küste schlängelt sich der schmale Weg durch die Dünen und eröffnet immer wieder beeindruckende Ausblicke auf die Nordsee. Beim Leuchtturm gönnen wir uns eine Pause in einem gemütlichen Café. Schade nur, dass leichter Nebel die Fernsicht einschränkt und der Regen weiterhin unser Begleiter bleibt. Wenig später will uns der Radweg mitten durch tiefen, durchnässten Sand führen. Bereits nach wenigen Metern wird klar, dass wir unsere voll beladenen Fahrräder nur mühsam schieben könnten. Also kehren wir um und wechseln kurzerhand wieder auf die Hauptstrasse, wo wir wieder gut vorankommen. Generell sind wir heute dankbar, dass unterwegs immer wieder kleine Läden oder Cafés auftauchen. Dort können wir unsere durchnässten Kleider etwas trocknen lassen, uns aufwärmen und neue Energie tanken, bevor es wieder hinaus in den Regen geht. Die letzten zehn Kilometer nach Thyborøn sind nochmals ein echtes Highlight. Auf einem kaum einen Meter breiten, asphaltierten Radweg fahren wir zwischen den Dünen und dem Meer unserem Tagesziel entgegen. Trotz des Regens hat dieser Abschnitt seinen ganz eigenen Charme. Da wir auf ein ausgiebiges Mittagessen verzichtet haben, erreichen wir den Campingplatz bereits um 14.15 Uhr – nach insgesamt 50 Kilometern. Zum Glück haben wir für heute eine Hütte reserviert. Nach einem ganzen Tag im Regen fühlt sich das fast wie purer Luxus an. Nun besteht die grösste Herausforderung darin, unsere komplett durchnässten Kleider & Schuhe irgendwo aufzuhängen und möglichst trocken zu bekommen. Nach dieser nassen Etappe freuen wir uns umso mehr auf den morgigen Ruhetag in Thyborøn. Ein Hallenbad und eine Sporthalle gibt es hier ebenfalls – genau das Richtige, um bei diesem Wetter einen Ruhetag zu geniessen.
Mittwoch, 08. Juli 2026 - Thyboron nach Humlum
Heute stehen die letzten Kilometer unserer Fahrt nach Norden auf dem Programm. In Thyborøn endet die Strasse – das heisst wer weiter nordwärts fahren möchte, muss die Fähre nehmen. Um 11.00 Uhr legen wir ab. Die Überfahrt ist kurz, aber ausgesprochen windig. Kaum erreichen wir das andere Ufer, führt der Weg durch eine reizvolle Landschaft zwischen kleinen Seen und dem Limfjord. Kilometer um Kilometer fahren wir schnurgerade gegen den kräftigen Nordwestwind in Richtung Agger. In Agger gönnen wir uns eine Mittagspause. Hier erreichen wir zugleich den nördlichsten Punkt unserer gesamten Tour. Hier gilt es, von der Nordsee Abschied zu nehmen. Dazu spazieren wir extra nochmals über die Dünen zur rauen Nordsee . Um 13.30 Uhr verabschieden wir uns von der Westlüste Jütlands und folgen von nun an der Nationalen Fahrradroute 12 in südöstlicher Richtung ins Landesinnere. Besonders faszinierend ist der unmittelbare Wetterwechsel. Kaum verlassen wir die Küstennähe, fühlt sich die Luft deutlich wärmer an. Während ich am Vormittag noch drei Schichten Kleidung am Oberkörper trage, fahre ich nach dem Mittagessen bereits wieder im T-Shirt und geniesse die wärmende Sonne. Die Nationale Fahrradroute 12 erweist sich als ausgesprochen schön. Auf kaum befahrenen Nebenstrassen führt sie entlang des Limfjords durch eine ruhige und abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Oft ist die Strasse kaum breiter als eine Fahrspur. Rechts und links wechseln sich Felder, Wiesen und Weiden ab. Kühe grasen friedlich auf den Weiden, und einmal hoppelt sogar ein grosser Feldhase unmittelbar vor unseren Fahrrädern über die Strasse. Besonders eindrücklich ist die Stille dieser Landschaft. Abgesehen vom Wind und gelegentlichem Vogelgezwitscher ist kaum ein Geräusch zu hören. Kurz bevor wir die Route 12 verlassen, führt sie noch einmal direkt am Fjord entlang. Mit dem nun deutlich günstigeren Wind kommen wir spürbar schneller voran als während der vergangenen Tage an der Nordseeküste. Es macht richtig Freude, die Kilometer beinahe mühelos zurückzulegen. Als die Route 12 später wieder nach Norden schwenkt, setzen wir unseren Weg nach Süden fort und erreichen die Halbinsel Thyholm. Die Strecke führt über etwas stärker befahrene Nebenstrassen vorbei an zahlreichen Windrädern, Bauernhöfen und weiten landwirtschaftlichen Flächen. Während der Fahrt wissen wir noch nicht, wo wir die Nacht verbringen werden. Nichts ist reserviert. Verschiedene Möglichkeiten stehen zur Auswahl: ein Shelter, ein Campingplatz oder sogar die spontane Weiterfahrt nach Struer, um bereits am Abend den Zug nach Aarhus zu nehmen. Schliesslich entscheiden wir uns jedoch, die heutige Etappe nach 60 Kilometern um 16.45 Uhr zu beenden und auf dem Campingplatz in Humlum zu übernachten. Diese Entscheidung erweist sich als Glücksgriff. Der Platz liegt wunderschön direkt am Fjord, und wir geniessen den sonnigen Nachmittag in entspannter Atmosphäre. Natürlich darf auch heute eine Glace nicht fehlen. Wie schon mehrfach auf dieser Reise unterschätzen wir jedoch die dänischen Portionen. Die Kugeln sind hier gefühlt mindestens doppelt so gross wie bei uns zu Hause – aus einer kleinen Glace wird schnell ein stattliches Dessert. Da der Campingladen erneut nur eine sehr begrenzte Auswahl an Lebensmitteln bietet, steht am Abend einmal mehr unser bewährtes Standardmenü auf dem Speiseplan: Spaghetti mit Tomatensauce.
Die heutige Etappe bereitet uns besonders viel Freude. Die abwechslungsreiche Landschaft, die ruhigen Wege entlang des Limfjords und der Rückenwind ab Agger machen diesen Tag zu einem der Schönsten unserer bisherigen Reise.
Donnerstag, 09. Juli 2026 - Humlum nach Struer, mit dem Zug bis Aarhus
Da wir gestern eine lange Etappe zurückgelegt haben, stehen heute nur noch die letzten zehn Kilometer bis zum Bahnhof in Struer auf dem Programm. Von dort bringt uns der Zug in rund zwei Stunden quer durch Dänemark an die Ostsee nach Aarhus. In Aarhus haben wir ein Zimmer in der Jugendherberge reserviert. Da wir bereits gegen 14.00 Uhr ankommen, bleibt uns genügend Zeit, die zweitgrößte Stadt Dänemarks in Ruhe zu erkunden. Schnell gefällt uns die lebendige Atmosphäre mit ihren schönen Quartieren, den einladenden Einkaufsstraßen & Restaurants sowie die Möhe zum Wasser. Ein besonderes Highlight ist der Salling Roof Garden. Von der begrünten Dachterrasse genießen wir einen herrlichen Blick über die Stadt. Gemütliche Sitzgelegenheiten, viel Grün sowie eine Bar und ein Restaurant machen diesen Ort zu einer kleinen Oase über den Dächern von Aarhus und dies sogar gratis. Viele auch gerade junge Menschen sind hier einfach zum Reden, Lesen und Verweilen, ganz ohne Druck etwas konsumieren zu müssen.
Auch heute begegnen wir zudem wieder zahlreichen Jugendlichen mit den auffälligen weißen Mützen, die an Matrosen- oder Kapitänsmützen erinnern. Zunächst hielten wir dies für Polterfeste/Junggesellenabschiede. Doch diese sogenannten „Studenterhuer“ sind eine dänische Tradition und zeigen an, dass ihre Trägerinnen und Träger die Abschlussprüfungen am Gymnasium oder einer vergleichbaren Schule erfolgreich bestanden haben. Bereits in den vergangenen Tagen sind uns diese Mützen immer wieder aufgefallen – nicht nur hier in Aarhus, sondern auch an der Nordseeküste auf der Insel Rømø. Da waren ganze Gruppen sogar in offenen Lastwagen und Bussen laut pfeifend und musikhörend unterwegs bis an den Strand. Diese jungen Menschen gehören im Sommer, vor allem Ende Juni und Juli ganz selbstverständlich zum dänischen Straßenbild und vermittelt eine ansteckende Lebensfreude. Am Abend spielen wir noch Monopoly, was wie immer viel zu lange dauert und wir erneut wieder etwas spät zu Bett kommen.
Freitag, 10.Juli 2026 - Aarhus nach Saksild
Gestern haben wir Aarhus in vollen Zügen genossen. Die lebendige Stadt hat uns mit ihren schönen Quartieren, den gemütlichen Gassen und den attraktiven Einkaufsstraßen & Restaurants sehr gut gefallen. Heute erwartet uns purer Sonnenschein und Temperaturen bis 26 Grad. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass an der Nordsee in Thyborøn nur 18 Grad gemeldet sind und in Basel sogar 35 Grad herrschen. Da entlang der Ostseeküste besonders schöne Strandabschnitte auf uns warten sollen, haben wir ganz bewusst nur eine kurze Etappe geplant. Unser Ziel für heute ist klar: Baden in der Ostsee und den Sommer genießen. Wir folgen der nationalen Fahrradroute 5 und machen schon bald einen Zwischenstopp bei der „Unendlichen Brücke“. Die kreisförmige Brücke ragt einige Meter ins Meer hinaus und lädt dazu ein, den Blick für einen Moment über die ruhige Ostsee schweifen zu lassen. Der dazugehörige Strand ist zwar nicht besonders groß, wirkt aber gemütlich. Der Radweg führt teilweise durch schattige Waldstücke auf schmalen, gut ausgebauten Wegen. Entsprechend begegnen uns deutlich mehr Velofahrer, viele davon wohl auf dem Weg zum Strand. Die Strecke verläuft immer wieder leicht auf und ab, sodass wir einige Höhenmeter sammeln. Wirklich anstrengend ist das aber nicht. Irgendwann verpassen wir im Wald eine Abzweigung und landen versehentlich auf einer Mountainbike-Strecke. Zum Glück bemerken wir unseren Irrtum bald und finden auf die richtige Route zurück. Bei der Abfahrt nach Norsminde eröffnet sich uns ein wunderschöner Blick über den Norsminde-Fjord und die Ostsee. Besonders beeindruckend ist das Farbenspiel: das goldgelbe Korn, der tiefblaue Himmel und das ruhige Wasser ergeben zusammen eine schöne Kulisse. Um 12.15 Uhr gönnen wir uns in Norsminde ein feines Mittagessen. Nur fünf Kilometer später erreichen wir bereits unseren Campingplatz in Saksild Strand.
Ursprünglich hatten wir hier für zwei Nächte eine Hütte reserviert. Wegen der notwendigen Umplanung infolge der Zugausfälle bleiben wir nun allerdings nur eine Nacht – und übernachten im Zelt. Umso mehr freuen wir uns über das freundliche Entgegenkommen des Campingplatzes: Den bereits bezahlten Betrag dürfen wir für andere Angebote einsetzen. Kurzerhand mieten wir deshalb zwei Stand-up-Paddle-Boards und genießen einen entspannten halben Ruhetag in der Ostsee. Der Strand ist gut besucht – ein deutlicher Unterschied zur Nordseeküste, wo wir oft fast allein unterwegs waren. Später springen wir noch in den Pool des Campingplatzes und lassen den Tag bei sommerlich warmen Temperaturen ausklingen.
Samstag, 11.Juli 2026 - Saksild nach Horsens
Heute Morgen werden wir tatsächlich bereits um 7.30 Uhr wach. Im Zelt ist es schon so warm, dass an Weiterschlafen nicht mehr zu denken ist – eine echte Premiere auf unserer diesjährigen Tour. Bereits um 10.00 Uhr starten wir auf der nationalen Fahrradroute 5. Die Strecke führt über verkehrsarme Straßen vorbei an unzähligen Kornfeldern in Richtung Hou. Bei diesem herrlichen Wetter sind in dieser Gegend auch viele Rennradfahrer unterwegs. Mit dem heutigen Streckenverlauf verändert sich auch die Küste: Wir fahren nun Richtung Westen. Immer wieder öffnet sich zwischen den Feldern der Blick auf die Ostsee, während in größeren Abständen kleine Dörfer und Siedlungen auftauchen. Die meiste Zeit radeln wir jedoch auf leicht hügeligen Nebenstraßen durch eine weite Landschaft aus Wiesen, leuchtend gelben Rapsfeldern und goldenen Kornfeldern. In Søvind möchten wir eigentlich gemütlich zu Mittag essen. Umso froher sind wir, dass es wenigstens einen Einkaufsladen gibt, denn die beiden Restaurants, die uns Google angezeigt hat, sind geschlossen. Also kaufen wir dort etwas ein und setzen uns im Schatten an die Wand neben der Tankstelle. Hauptsache Schatten! Bis zu unserem Campingplatz mit gedecktem Pool sind es nun noch rund acht Kilometer. Zunächst führt der Radweg über einen schottrigen Untergrund, der sich teilweise etwas mühsam fahren lässt. Später wird der Belag jedoch deutlich angenehmer. Die Route verläuft nun schattig durch kleine Waldstücke und schließlich direkt am Fjord entlang. Diese letzten Kilometer sind noch einmal besonders schön und bilden einen gelungenen Abschluss der heutigen Etappe. Bereits um 13.45 Uhr erreichen wir den sehr gut besuchten Campingplatz direkt am Horsens Fjord. Da unsere Campingaz-Gaskartusche inzwischen fast leer ist und wir bereits in Aarhus kein passendes Gas gefunden haben, fahre ich anschließend noch nach Horsens in der Hoffnung, dort fündig zu werden. Leider bestätigt sich unsere Befürchtung: Trotz mehrerer Sport- und Campinggeschäfte finde ich auch heute nirgends eine passende Campingaz-Kartusche. Langsam müssen wir uns Gedanken machen, ob wir in der letzten Woche nur noch kalt essen möchten oder wir halt eine Gaskartusche inkl. Aufsatz von einem anderen Hersteller kaufen möchten.
Mit der heutigen Etappe erreichen wir außerdem einen kleinen Meilenstein: 400 Kilometer liegen nun bereits hinter uns. Kaum zu glauben, wie schnell sich die Kilometer angesammelt haben. Zum zweiten Mal auf dieser Tour stehen auf dem Campingplatz direkt neben uns ebenfalls Radreisende mit ihrer Familie. Es ist immer wieder schön und interessant, andere Bikerinnen, Biker oder Familien kennenzulernen, die ein Land ebenfalls vom Fahrradsattel aus entdecken möchten. Oft genügt schon ein kurzer Austausch, um gegenseitig Tipps weiterzugeben oder einfach die Begeisterung fürs Radreisen zu teilen. Nach der morgigen Etappe werden wir wieder einmal einen Ruhetag einlegen. Darauf freuen wir uns schon jetzt sehr.
Sonntag, 12. Juli 2026 - Horsens nach Juelsminde
Bereits um 4.00 Uhr morgens klingelt der Wecker, damit wir die zweite Halbzeit des WM-Viertelfinalspiels Schweiz gegen Argentinien anschauen können. Was man in den Ferien nicht alles macht! Trotz der kurzen Nacht möchten wir uns dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Schade nur dass die Partie in der Verlängerung verloren geht. Anschließend schlafen wir noch etwas weiter und starten deshalb erst gegen 11.15 Uhr zu unserer heutigen Etappe. Weiter entlang der Fahrradroute 5 führt uns der Radweg zunächst wunderschön dem Fjord entlang und später auf gut befahrbaren Schotterwegen durch den Wald. Bis Glud fahren wir anschließend längere Zeit entlang einer stärker befahrenen Straße. Dafür kommen wir auf der heutigen Unterlage zügig voran. Nach inzwischen zwei Wochen in Dänemark stellen wir fest, dass neue Fotomotive seltener werden. Die Landschaft verändert sich nur noch wenig und auch größere Sehenswürdigkeiten liegen heute keine auf unserer Strecke. So erreichen wir bereits um 14.45 Uhr den Campingplatz beim Hafen von Juelsminde. Die heutige Etappe gehört für mich bisher zu den am wenigsten schönen unserer Reise. Das liegt vor allem daran, dass die Route häufig entlang einer stärker befahrenen Straße verlief und landschaftlich weniger abwechslungsreich war als an den vergangenen Tagen. Juelsminde selbst gefällt uns hingegen gut. Das lebhafte Städtchen bietet zahlreiche Geschäfte, Cafés und Restaurants. Wie so oft an der Ostseeküste beobachten wir viele Kinder und Erwachsene, die mit Netzen an den Stegen Krebse fangen. Es scheint hier fast schon ein fester Bestandteil eines Sommertages am Wasser zu sein. Am Abend nutzen wir das herrliche Wetter, um nach einer Woche wieder einmal unsere Wäsche zu waschen. Wohl zum letzten Mal auf dieser Tour stellen wir beide Zelte auf und sind dankbar, einer der wenigen schattigen Plätze auf dem Campingplatz erhalten zu haben. Zum Abschluss des Tages fällt uns noch etwas auf: Die Glace-Portionsgrößen entsprechen hier wieder deutlich eher den Schweizer Verhältnissen – nach den oft überraschend großzügigen Portionen an der Nordsee fast schon ein wenig schade.
Montag, 13. Juli - Ruhetag
Heute genießen wir den letzten Ruhetag unserer Velotour – und gleichzeitig unseren letzten Aufenthalt direkt am Meer. Ein etwas wehmütiger Gedanke, denn die Küstenlandschaften haben unsere Reise in den vergangenen zwei Wochen geprägt. Den Tag verbringen wir ganz entspannt in Juelsminde. Zunächst besuchen wir die große Spiel- und Freizeitanlage, wo Jung und Alt auf ihre Kosten kommen. Danach liefern wir uns eine kleine Partie Minigolf, bevor wir uns mit unseren E-Readern eine ruhige Auszeit gönnen bzw. am Jachthafen gemütlich einen Kaffee trinken. Besonders spannend ist es, den vielen Kindern und Erwachsenen beim Krabbenfangen zuzusehen. Beim sogenannten Krabbenrennen werden die gefangenen Krabben auf den Steg gesetzt und krabbeln – meist ziemlich unkoordiniert – wieder zurück Richtung Meer oder fallen direkt ins Wasser. Natürlich darf auch für uns etwas Bewegung nicht fehlen. Wir spielen Fußball am Strand, genießen die warme Sommerstimmung und gönnen uns anschließend ein feines Glace. Nur zum Baden hatte irgendwie niemand so richtig Lust. Ob es am weiterhin kühlen Meer oder den Krabben & Krebsen im Meer gelegen ist? Egal, es stehen nun noch die drei letzten Etappe unserer Tour an und der Besuch vom Legoland. Darauf freuen wir uns.
Dienstag, 14.Juli 2026 - Juelsminde via Vejle nach Jelling
Heute verlassen wir Juelsminde und damit auch unseren letzten Ort direkt am Meer. Anstatt der oftmals im Zickzack verlaufenden nationalen Fahrradroute 5 folgen wir zunächst der Hauptstrasse 23 bis zur Abzweigung bei Hedensted. Dadurch fahren wir rund 26 Kilometer westwärts und kommen deutlich zügiger voran. Anschließend wechseln wir wieder auf die Route 5 über Bredballe nach Vejle. Bis zur Abzweigung sind wir froh über die gelegentlichen separaten Fahrradstreifen und Radwege. Teilweise werden die Straßen mit dem Autoverkehr allerdings ziemlich schmal, sodass es auch gut ist, als wir wieder auf die offizielle Fahrradroute abbiegen können. Sofort verändert sich die Atmosphäre. Die Route führt durch goldgelbe Kornfelder, die sich links und rechts der Straße ausbreiten. Mehrmals fahren wir auch direkt am Fjord entlang. Die Landschaft wirkt noch einmal besonders friedlich und bildet einen würdigen Abschluss unserer Tage an der Küste. Um möglichst lange am Wasser zu bleiben, wechseln wir später auf die Route 53. Dieses Teilstück hat es allerdings in sich. Der Weg führt durch den Wald, ist teilweise steil und auf dem losen Untergrund recht rutschig. Eigentlich ist diese Strecke eher für Mountainbikes als für schwer bepackte Tourenräder geeignet. Auch wenn wir hier nur langsam vorankommen, macht gerade dieser etwas abenteuerliche Abschnitt richtig Spaß. In Bredballe kommen wir nochmals an zwei schönen Strandabschnitten vorbei. Nur wenige Kilometer später erreichen wir schließlich Vejle und damit das Ende des Fjords. Hier verabschieden wir uns endgültig von der Ostsee und dem Meer, das unsere Reise während der vergangenen Wochen begleitet hat. Schon von Weitem fallen die fünf miteinander verbundenen Wohntürme auf, die bis zu 100 Meter in den Himmel ragen und die Skyline von Vejle prägen. Nach 36 Kilometern legen wir in der Stadt unsere Mittagspause ein. Die schöne Innenstadt überrascht uns mit ihrem vielfältigen gastronomischen Angebot. Zum ersten Mal auf unserer Reise genießen wir ein feines Wok-Menü – eine willkommene Abwechslung nach den vielen Picknicks , Pasta-Menüs, Pizza und Burger mit Pommes. Die Weiterfahrt aus der Stadt führt auf einem schönen Radweg entlang eines Baches. Die letzten fünf Kilometer zum Farup Sø müssen wir uns allerdings nochmals richtig verdienen. Zum ersten Mal auf dieser Reise begegnen wir einem Hinweisschild, das ausdrücklich vor einem „knackigen Anstieg“ warnt: Auf einer Strecke von 1’180 Metern sind 67 Höhenmeter zu überwinden. Na ja, nichts im Vergleich zu den Steigungen in der Schweiz, aber bei Temperaturen von rund 28 Grad bringt uns die Steigung trotzdem ins Schwitzen. Oben angekommen befinden wir uns wohl erstmals in Dänemark auf über 80 Metern über Meer :-) Umso mehr freuen wir uns, dass wir bereits am Nachmittag unser Tagesziel erreichen. Die Abkühlung im Pool des Campingplatzes haben wir uns nach dieser hügeligen Etappe mehr als verdient.
Mittwoch, 15.Juli 2026 - Jelling via Billund mit Legoland nach Randbol
Heute steht nochmals ein Highlight unserer Dänemark-Tour auf dem Programm: das Legoland in Billund. Gleichzeitig wartet aber auch eine komplette Veloetappe auf uns. Ob sich beides an einem einzigen Tag unter einen Hut bringen lässt? Dies ist zumindest unsere Überzeugung. Deshalb klingelt der Wecker bereits um 7.30 Uhr. Unser Plan ist, die rund 25 Kilometer bis Billund möglichst früh zurückzulegen, um pünktlich zur Parköffnung um 10.00 Uhr im Legoland zu sein. Die verbleibenden rund zwölf Kilometer bis zum nächsten Campingplatz, der auf unserer Route liegt, wollen wir erst am Abend nach dem Parkbesuch fahren. Eine sportliche Tagesplanung – aber genau solche Kombinationen machen unsere Veloreise immer wieder besonders.
Mit etwas Verspätung sitzen wir um 9.00 Uhr auf den Fahrrädern. Die Route führt zunächst über verkehrsarme Nebenstraßen durch die sanft hügelige Landschaft zwischen Jelling und Billund. Nach etwa 14 Kilometern erreichen wir die Schnellstraße Richtung Billund, der wir auf einer parallel verlaufenden, ebenfalls ruhigen Nebenstraße folgen können. Bereits um 10.30 Uhr erreichen wir das LEGOLAND. Ich persönlich war im Jahr 2005 also vor 21 Jahren anlässlich meiner grossen Europatour bereits einmal hier und bin gespannt zu sehen, was sich verändert hat. Es ist faszinierend, viele Bauwerke aus Lego wiederzuerkennen, denen wir in den letzten 3 Wochen bereits in Originalgröße begegnet sind. Die detailreichen Modelle, die zahlreichen Figuren und die vielen Attraktionen schätzen wir nach so vielen Tagen im Fahrradsattel. Wie erwartet ist der Park gut besucht, weshalb wir für einige Bahnen ziemlich Geduld mitbringen müssen. Das schmälert die Freude aber kaum und der Besuch gehört zumindest für unseren Jüngsten zu den Höhepunkten unserer Reise. Am späten Nachmittag schwingen wir uns nochmals auf die Fahrräder und nehmen die letzten Kilometer bis zu unserem Campingplatz unter die Räder. Die kurze Abendetappe verläuft problemlos. Landschaftlich bietet die heutige Etappe zwar kaum Besonderes. Dennoch fällt uns einmal mehr auf, wie großzügig die Grundstücke und Häuser in Dänemark sind. Die Gärten sind zwar meist eher schlicht gestaltet und nur selten üppig mit Blumen bepflanzt, dafür aber überall sehr gepflegt. Unsere letzte Zeltübernachtung verbringen wir auf einem sehr gemütlichen Campingplatz in Randbøldal. Eingebettet zwischen hohen Bäumen liegt dort ein idyllischer Badesee. Ein passender Ort, um den letzten Abend unserer Velotour in Dänemark ausklingen zu lassen und noch einmal die besondere Atmosphäre des Campinglebens zu genießen.
Donnerstag, 16.Juli 2026 - Randbol nach Kolding
Heute steht unsere letzte Veloetappe der dreiwöchigen Dänemark-Tour auf dem Programm. Ein besonderer Tag, denn während bei unserem Jüngsten Vorfreude auf das zu Hause herrscht, kommt bei anderen Wehmut über das Ende des Outdoor-Lebens „on Tour“ auf.
So fahren wir weiter südwärts durch die sanft hügelige Landschaft Jütlands. In der Ortschaft Egtved überrascht mich ein Wegweiser: Bis zur Nordseeküste bei Ribe sind es nur noch 52 Kilometer. Sofort kommt etwas Sehnsucht nach den ersten Ferientagen an der rauen Nordsee auf. Gleichzeitig sind es von hier bis zu unserem heutigen Ziel, Kolding an der Ostsee, nur noch rund 22 Kilometer. In diesem Moment wird uns nochmals bewusst, wie schmal Jütland zwischen Nord- und Ostsee eigentlich ist. Auch auf den letzten Kilometern erleben wir noch einmal vieles von dem, was unsere Reise durch Dänemark geprägt hat, einzig die wiederkehrenden Anstiege und Abfahrten lassen uns erst mit der heutigen Etappe erkennen, dass Jütland nicht nur flach ist. Nach 34 Kilometern ausserhalb touristischen Regionen erreichen wir um 14.15 Uhr schließlich unser Endziel: Kolding, am Kolding Fjord an der Ostsee.
Damit endet unsere Velotour durch Dänemark nach insgesamt 571 Kilometern. Nach drei Wochen, davon oft im Zelt, freuen wir uns nun aber zuerst einmal wieder auf ein richtiges Bett. Und gleichzeitig nehmen wir unzählige Eindrücke, wunderschöne Landschaften, eine grosse Dankbarkeit und viele unvergessliche Erlebnisse mit nach Hause. Im Anschluss haben wir noch 2 Tage in Hamburg verbracht und konnten die 8 stündige Heimreise mit dem Zug pünktlich und entspannt absolvieren.
Route
Dänemark 2026
| Datum | Strecke | Distanz | Fahrtag | Nacht | |
| 27.06.2026 | 2 Tage Anreise via Hamburg nach Sylt | ||||
| 28.06.2026 | Westerland (Insel Sylt) - Insel Romo (Lakolk - DK) | 30 km | 12.15 - 16.30 Uhr | Zelt - First Camp | |
| 29.06.2026 | Ruhetag | - | - | ||
| 30.06.2026 | Romo - Ribe | 49 km | 10.15 - 15.45 Uhr | Zelt - Storkesoen Camping | |
| 01.07.2026 | Ribe - Esbjerg | 44 km | 10.15 - 15.30 Uhr | Zelt - Esbjerg Camping | |
| 02.07.2026 | Esbjerg - Oksbol/Kaergard | 32 km | 10.45 - 15.45 Uhr | Zelt - Kaergard Plantage | |
| 03.07.2026 | Oksbol - Argab | 39 km | 10.30 - 15.15 Uhr | Hütte - Nordsoe Camping | |
| 04.07.2026 | Ruhetag | - | - | ||
| 05.07.2026 | Argab - Ulfborg (Thorsminde) | 48 km | 10.45 - 17.15 Uhr | Shelter Spidsbjergvey | |
| 06.07.2026 | Ulfborg - Thyboron | 50 km | 10.00 - 14.15 Uhr | Hütte - Thyboron Camping | |
| 07.07.2026 | Ruhetag | - | - | ||
| 08.07.2026 | Thyboron - Humlum | 60 km | 10.15 - 16.45 Uhr | Zelt - Humlum Camping | |
| 09.07.2026 | Humlum - Struer (+Zugreise Struer - Aarhus) |
10 km | Jugendherberge | ||
| 10.07.2026 | Aarhus - Saksild (Ostsee) | 26 km | 10.15 - 13.30 Uhr | Zelt - Saksild Strand Camping | |
| 11.07.2026 | Saksild - Horsens | 41 km | 10.00 - 13.45 Uhr | Zelt - Citycamping | |
| 12.07.2026 | Horsens - Juelsminde | 38 km | 11.15 - 14.45 Uhr | Zelt - Juelsminde Camping | |
| 13.07.2026 | Ruhetag | - | |||
| 14.07.2026 | Juelsminde - Jelling (Farup See) | 47 km | 10.00 - 15.00 Uhr | Zelt - Farup See Camping | |
| 15.07.2026 | Jelling - Billund (Legoland) - Randbøldal | 37 km | 09.00 - 18.15 Uhr | Zelt - Camping Randbøldal | |
| 16.07.2026 | Randboldal - Kolding | 34 km | 10.15 - 14.15 Uhr | Jugendherberge | |
| 17.07.2026 | Zugfahrt Kolding - Flensburg - Hamburg | ||||
| 18.07.2026 | Aufenthalt Hamburg | ||||
| 19.07.2026 | Heimreise | ||||
| Total | 571 km |
Fotos
Dänemark 2026