Italien
Biker Infos
Allgemeines:
Italien liegt auf der Apennin-Halbinsel, welche an die Form eines Stiefels erinnert. Diese Halbinsel wird von dem Apennin-Gebirgszug in der Längsachse durchzogen. Die längsten Flüsse sind Po, Arno und Tiber. Zu den größten italienischen Seen zählen der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See in Oberitalien sowie der Lago di Bolsena und der Lago Trasimeno in Mittelitalien. Höchster Gipfel Italiens ist der Mont Blanc de Courmayeur mit 4.748 m, ein Nebengipfel des Mont Blanc. Das höchste Bergmassiv, das vollständig auf italienischem Boden steht, ist der Gran Paradiso mit 4.061 m in den Grajischen Alpen.
Angrenzende Staaten sind Frankreich (488 km), die Schweiz (734,2 km), Oesterreich (430 km), Slowenien (232 km), sowie Kroatien (über eine Seegrenze), die Enklaven San Marino (39 km) und die Vatikanstadt in Rom (3 km).
Klima /Wetter:
Norditalien: Kontinentales Klima mit kalten Wintern und relativ heissen Sommern.
Mittel- Süditalien: Mittelmeerklima, heiss und regenarm die Ostküste, vergleichsweise etwas feuchter und milder die Westküste.
Während meiner Tour im März 2008 hatte ich viel Wetterglück. Bis auf die letzten 2 Tage in Napoli blieb es trocken. Bei Tagestemperaturen von 15 - 22 Grad startete ich jeweils am Morgen um ca. 07.00 Uhr bei ca. 7 Grad. In der Nacht hatte ich mit meinem Schlafsack (bis 0 Grad) und Termo-Oberteil genügend warm. Ab ca. 1000 m.ü.M. erlebte ich vor allem im nördlichen Italien noch Schnee entlang der Strassen.
Geographische und politische Gliederung Italiens:
Italien ist in 20 Regionen gegliedert. Es sind dies: Abruzzen, Aostatal, Apulien, Basilikata, Emilia-Romagna, Friaul-Julisch Venetien, Kalabrien, Kampanien, Latium, Ligurien, Lombardei, Marken, Molise, Piemont, Sardinien, Sizilien, Toskana, Venetien, Trentino-Südtirol, Umbrien.
Nord- Süd Unterschiede:
Charakteristisch für Italien ist die wirtschaftliche Zweiteilung des Landes. Der stark industrialisierte Norden steht dem überdurchschnittlich landwirtschaftlich geprägten Süden gegenüber. Die grössten Wirtschaftszentren sind Mailand, Turin und Genua. Zusammen mit den anderen Wirtschaftszentren im Norden verfügt der Raum über einen gut entwickelten Dienstleistungssektor und gehört zu den wirtschaftlich stärksten Gebieten Europas. Mittelitalien verfügt über eine florierende Wirtschaft, die auf Unternehmen im Textilsektor und besonders auf Tourismus basiert. Die Arbeitslosigkeit in Nord- und Mittelitalien liegt unter 6 %. Der Süden des Landes, auch Mezzogiorno genannt, stellt einen der strukturschwächsten Regionen Westeuropas dar. Die Folge daraus sind sehr hohe Arbeitslosenquote, die eine erhöhte Kriminalitätsrate und nicht zuletzt das organisierte Verbrechen, das besonders in Kalabrien und auf Sizilien die Kontrolle über viele Wirtschaftszweige ausübt.
Inseln:
Zu Italien gehören die Mittelmeer-Inseln Sizilien, Sardinien, sowie die Inselgruppen der Liparischen Inseln, der Aegadischen Inseln, der Tremiti-Inseln, der Pontinischen Inseln und der Tyrrhenischen Inseln ( z.B. Insel Elba).
Preisniveau:
Das Essen ist grundsätzlich günstiger als in der Schweiz. Für einen Cappucino zahlte ich z.B. 1.50 Euro, Pizza 6 - 8 Euro. Uebernachtungen in Hotels / Campingplätzen etc. können während der Hauptsaison jedoch überdurchschnittlich teuer sein.
Radfahren:
Italien gehört zu den verkehrsreichsten Ländern überhaupt. Gerade auf verkehrsreichen Nationalstrassen und in Grossstädten ist deshalb erhöhte Vorsicht geboten. Auch den vielen Motorroller in den Städten und den teilweise sehr unterschiedlichen Vorfahrtsregeln in den Kreiseln müssen vermehrt Beachtung geschenkt werden. Küstenstrassen sind vor allem während der Sommersaison sehr verkehrsreich und uninteressant. Ruhiger ist es da auf den kleinen Nebenstrassen im Hügel- und Bergland, welche aber teilweise sehr steigungsreich sind und daher gute Nerven und Kondition erfordern. Abstecher zur Küste sind deswegen immer mit langwierigen Neuanstiegen verbunden. Die Autofahrer empfand ich als sehr rücksichtsvoll, ein gelegentliches Hupen darf nicht negativ, sondern als "Vorsichtsmassnahme" interpretiert werden. Riskante Ueberholmannöver erlebte ich zumindest ausserhalb der Grossstädte keine.
Infos zum Etsch-Radweg:
Der Etsch-Radweg führt vom oberen Vinschgau bis nach Verona fast durchgehend entlang des Flusses Etsch (auch Adige genannt) und bietet eine sehr gut ausgebaute, meist asphaltierte Infrastruktur abseits des motorisierten Verkehrs. Zwischen Schlanders, Meran und Bozen fährt man überwiegend auf separaten Radwegen durch endlose Apfelplantagen, mit stetem, meist sanftem Gefälle und viel Ruhe. Die Strecke ist hervorragend ausgeschildert, zunächst zweisprachig (Deutsch/Italienisch), später nur noch italienisch, und verläuft oft weit entfernt von Straße und Autobahn. Landschaftlich wechselt der Radweg von alpinen Talabschnitten mit engen Bergflanken zu immer lieblicheren, fast mediterranen Landschaften mit Weinbergen, Zypressen und Olivenbäumen. Städte wie Meran, Bozen, Trient und Verona liegen direkt an der Route und eignen sich ideal für längere Pausen oder Übernachtungen.
Camping / Jugendherbergen
Die meisten der über 2000 Campingplätze finden sich an den Küsten. Wildes campen ist offiziell verboten und wird angeblich auch gebüsst. Jugendherbergen gibt es in Italien nur sehr wenige. Privatzimmer (Camere) oder Bed&Breakfast sind weitere Uebernachtungsmöglichkeiten.
Zu meiner Zeit der Tour im März waren fast alle Campingplätze noch geschlossen, einige öffnen jeweils ab Ostern, andere noch später. So übernachtete ich vorwiegend wild im Zelt, ich achtete aber darauf, dass ich mein Zelt erst bei Dunkelheit (bereits ab 18.00 Uhr) aufstellte und nicht unnötig auffiel. Einmal übernachtete ich in einem B&B für 25 Euro und in Pozzuoli (bei Napoli) übernachtete ich für 18 Euro/Nacht auf einem super schönen Campingplatz.
Bei der Routenplanung zu berücksichtigen:
- Die Städte Florenz, Assisi, Pompei
- Vulkan Vesuvo bei Napoli
- Nationalpark Abruzzo
- Etsch Radweg (gerade auch für Familien sehr empfehlenswert!)
Italien aus meiner Sicht:
Wer Italien mit dem Fahrrad erleben will, wird bald merken, dass es kaum flache Gebiete gibt. Besonders in der Region Emilia Romagna und der Toskana bekam ich die nie endenden Hügel- und Gebirgslandschaften zu spüren. Dazu kommt, dass sich die meisten Orte auf irgendwelchen Erhebungen befinden. Da die Steigungen eher knackig (bis 15%) als dezent sind, kann die zunächst herrschende Freude über die tollen Landschaften nach dem x-ten Hügel durchaus weichen in leise Hoffnung auf eine (halt verkehrsreichere) Hauptstrasse. Gerade diese flachen Hauptstrassen führen dann aber oft entlang Industrie-Gebieten, sind verkehrsreicher, dafür kommt man schneller vorwärts und kann sich wieder etwas erholen. Strassenpässe gibt es recht viele in Italien, vor allem im Apennin-Gebirge. Auf meiner Tour über den nördlichen Appenin wählte ich den Abetone-Pass (1388 m.ü.M.) und wurde an diesem Skiort von den Skitouristen doch etwas gar komisch angeschaut... Empfehlenswert ist gutes Kartenmaterial, ich hatte mit meiner 1:800 000 Karte doch etwas Mühe, da viele Pässe gar nicht eingezeichnet waren und häufig die Ortschaften auf den Wegweisern nicht drauf waren. Mit meinem sehr limitierten italienischen Wortschatz kam ich zumindest auf dem Land gut zurecht, in der Stadt wurde es bei aufwändigeren Erklärungen dann etwas schwieriger, immer mehr Italiener sprechen einwenig Englisch. Die Kriminalität ist vor allem in den Grossstädten wie z.B. Napoli spürbar, hier sollte man seine Sachen / Fahrrad nicht aus den Augen lassen und auf keine angeblichen "Schnäppchen"-Angebote auf der Strasse eingehen. Gerade wenns ums wild zelten ging, wurde ich durch Italiener ein paar mal auf die Gefahr hingewiesen. Negative Erlebnisse kann ich jedoch keine berichten. Es zählen m.E. die selben Vorsichtsmassnahmen wie in anderen Ländern. Rückblickend imponierten mir vor allem die schönen (anstrengenden) Berg- und Hügellandschaften Italiens, die in Europa wohl einzigartigen antiken Gebäude / Burgen / Kirchen und die Zeugnisse der römischen Geschichte. In Erinnerung bleiben werden mir auch die wunderbare Stadt Florenz, das Städtchen Assisi und die alte Stadt Pompei, welche nach dem Vulkanausbruch (Vesuvo) 79 n.Ch. wiederentdeckt und ausgegraben wurde.
Anforderungen:
Wer Italien (auf Nebenstrassen) entdecken will, sollte gut in Form sein und Freude an knackigen Aufstiegen haben.
Persönliche Bewertung:
> Viele antike Gebäude und eine schöne Hügel- und Gebirgslandschaft -> sehr empfehlenswert
> Der Etsch-Radweg hat uns mit seiner tollen Routenführung abseits des motorisierten Verkehrs begeistert. Gerade auch mit Kindern deshalb sehr empfehlenswert.
Tagebuch
Vorwort Tour Italien:
Ich sitze im Zug von Basel nach Chiasso. In 2 Std. werde ich mit dem Bike die italienische Grenze passieren, und dann? Es liegen knapp 10 Tage vor mir, in welchen ich quer durch Italien bis Napoli fahren möchte. Zum Abschluss träume ich vom Erklimmen des Vulkans Vesuvo bei Napoli by Bike. Ich habe mir eine ganz grobe Routenplanung gemacht, welche die Städte, Naturschönheiten und Nationalpärke einschliessen, welche ich mir unter den zeitlichen Umständen als sehenswert erachte. Diese Route über ca. 1400 km, also 140 km pro Tag ohne Ruhetag grenzt fast schon an Selbstüberschätzung; doch das Schöne on Tour ist ja gerade, dass ich meine Routenwahl von Tag zu Tag bzw. von einer Minute zur Anderen ändern kann. Gespannt bin ich vor allem auf das Wetter in diesem Früh-Frühling, natürlich erhoffe ich mir möglichst viele trockene Tage und nicht zu kalte Nächte. Campingplätze werden noch nicht offen sein, Jugendherbergen gibt es nur wenige in Italien. So werde ich zum gelegentlichen Duschen / Waschen der Kleider auf günstige B&B Angebote oder "Camere" hoffen müssen. So oft es die Landschaft / das Wetter zulässt, möchte ich aber wild campen. Gespannt bin ich auf die italienische Gastfreundschaft und die Verständigung untereinander; denn ich spreche nur wenige Worte Italienisch. Sehr gespannt bin ich auch auf die Bergdörfer, die Naturparks und die schönen Städte Italiens. Ich hoffe, dass ich nicht wie gerade heute in der Schweiz mit Schnee konfrontiert werde und dass mein Bike (inkl. Rückflug!) und ich die Strapazen bewältigen werden und ich die Tour auch geistig in vollen Zügen geniessen kann. Ueber angebliche Kriminalität mache ich mir eigentlich keine Gedanken und in die Fahrkünste bzw. den Fahrstil der Italiener habe ich (noch) vollstes Vertrauen. So, bald gehts los, hier im nördlichen Tessin stürmt es gewaltig, doch in Italien solls gemäss Wetterbericht heute 18 Grad warm und sonnig werden. Hoffentlich ein gutes Omen...
1.Tourtag - 12.03.2008 - Chiasso nach Treviglio, 80 km
Die Sonne neigt sich bereits hinter den Bäumen herunter, gut dass ich mich hier in einem lockeren Waldfleck bereits niedergelassen habe. Der Tag heute war so etwa, wie ich ihn mir vorstellte: kaum Highlights, teilweise grosser Transitverkehr trotz Meidung der grossen Hauptstrassen, dafür konnte ich Mailand umfahren. Es war nicht immer einfach, die richtigen Dörfer anzufahren, bei weitem nicht alle Dörfer waren auf meiner Strassenkarte enthalten. Die Route heute führte mich von Chiasso (CH) nach Como (I) - Brivio - Vimercate - Cassano in einen regionalen Park zwischen Treviglio und Crema. Bereits von Anfang an war die Route geprägt von vielen wiederkehrenden Steigungen. Erst ab Brivio wurde es langsam eben. So habe ich nun bereits am Tag 1 unverhofft viele Höhenmeter gestrampelt, dafür aber einen sonnigen Tag bei 18 - 22 Grad erlebt. Während über meinem Kopf immer wieder Kleinflugzeuge herumbrausen, warte ich noch bis es weiter dunkelt, damit ich mein Zelt ohne Aufzufallen aufstellen kann. Wild campen ist ja angeblich strikte verboten, deswegen will ich keine unnötigen Risiken eingehen. Nach dem Zelt aufstellen werde ich essen, dann meinen Route für morgen planen und wohl früh einschlafen. Bin sehr gespannt wie kalt die Nacht wird...
2.Tourtag - 13.03.2008 - Treviglio nach S.Polo Denza, 145 km
Nach der gerade noch angenehmen, leicht kühlen Nacht erwachte ich frühzeitig um 06.45 Uhr, so dass ich um 07.30 Uhr starten konnte. Die flache angenehm befahrbare Nebenstrasse führte mich weiter via Crema nach Piacenza. Von dort aus musste ich leider auf die Hauptstrasse 9 ausweichen, überraschenderweise war der Verkehr aber einigermassen angenehm. Erst nähe Parma nahm vor allem der Lastwagenverkehr massiv zu. Da die Hauptstrasse in eine Auto-Schnellstrasse mündete (Velo-Verbot), änderte ich kurzfristig meine geplante Route und fuhr südwärts durch viele kleine Städtchen, überquerte den schönen Fluss Parma und habe mich nun direkt am Fluss Enza in San Polo D'Enza zum Uebernachten entschieden. Obwohl die Route vorwiegend flach war heute, bin ich bzw. meine Beine total geschafft. Landschaftliche Highlights gabs auch heute (noch) keine. Riesige Felder wechselten sich ab mit Industrie-Zonen. Wie auch gestern waren wieder viele italienische "Marco Pantanis", also Radrennfahrer unterwegs. Der Verkehr bzw. der Abgas hält sich im Land der Autofahrer zur Zeit noch in Grenzen bzw. ist nicht schlimmer als in anderen Ländern. Der Fahrstil gegenüber Velofahrern muss ich bisher sogar loben. Einen sehr liebenswürdigen Kontakt hatte ich heute mit einer älteren Dame, die bei einem kleinen Verfahrer im Städtchen gleich selbst ihr Bike packte und mir (langsam) vorausfuhr bis wir die 3 Kreisel hinter uns hatten. Nun geniesse ich noch einwenig den Blick auf den Fluss mit den kleinen Wasserfall, die Sonne neigt sich bereits wieder hinter den Hügeln hinunter (17.45 Uhr !) und es wird spürbar kühler. Morgen folgen wohl die ersten Hügellandschaften; ich bin gespannt...
3.Tourtag - 14.03.2008 - S.Polo Denza nach Abetone, 115 km
Die heutige Tour führte mich durch das Gebiet der Emilia Romagna. Schon nach wenigen Minunten zauberte mir das Gebiet ein Lächeln in das Gesicht; endlich Naturlandschaften wie ich es mir vorstellte. Herrliche Hügel- Wald- und Berglandschaften, einsame Strassen, Flüsse entlang der Strassen und kleine Dörfer... Aber der heutige Tag war milde ausgedrückt sehr anspruchsvoll! Von Beginn weg kurvenreiche harte Steigungen mit anschliessender ebenso waghalsigen (tollen), steilen und kurvenreichen Abfahrten um dann aber gleich wieder den nächsten Berg rauf zu fahren, vielfach endete die Erhebung in einem Dorf. Etwa 5 socher Aufstiege akzeptierten meine Oberschenkel und Waden überraschenderweise recht gut. Doch welchen Hügel ich auch immer meisterte, der nächste folgte zugleich. Kein Ende war in sicht, nur Berge soweit das Auge reichte. Dazu kam noch Schnee entlang der Strassen, welcher dazu führte, dass sich die Temperaturen abrupt senkten. 7 Grad kühl wars beim Start am Morgen, später über 20 Grad an der Sonne und nun wieder max. 10 Grad. Als ich mich ein weiteres mal auf eine Steigung einliess, führte mich der Weg bis 300 m an einen Strassenpass heran, dort zweigte meine Strasse aber (vorerst glücklicherweise) weg und los ging die Abfahrt hinunter ins Tal. Doch, ich traute meinen Augen / Beinen kaum, noch immer Berge soweit man sehen konnte. Nach Rücksprache mit Einheimischen zerrte ich mich nochmals 12 km hinauf zum Skigebiet und Pass Abetone (1388 m.ü.M.), wo viele Skiurlauber bereits wieder mit dem Auto talwärts fuhren. Erst nach 9 Std. Berg- und Talfahrt erreichte ich den letzten Uebergang (übrigens wenige km nach Beginn der Toskana). Die Suche nach einem Uebernachtungsplatz war eher schwierig. Zunächst musste ich die Schneegrenze überwinden, d.h. abfahren, da es bereits dunkelte fragte ich zudem auch in einem Hotel nach. 40 Euro verlangten sie, zu teuer! So habe ich nun gerade noch vor dem nächsten Aufstieg (Richtung Florenz) ein ganz kleine Wiese / Garten nur etwa 30 m entfernt von einem Haus entdeckt. Der Platz eher grenzwärtig, aber hauptsache eine Schlafgelegenheit. Für heute wars definitiv genug. Eine tolle, schöne Route wars auf jeden Fall, aber die vielen Steigungen hatten es in sich... Morgen wird hoffentlich etwas ruhiger.
4.Tourtag - 15.03.2008 - Abetone nach Bucine, 140 km
Bei 5 Grad am Morgen packte ich mein leider nasses Zelt auf das Bike und auf gings, den nächsten Hügel hinauf. Mein Muskelkater von gestern war klar spürbar, doch irgendwie kam ich trotzdem vorwärts. Oben auf dem mal wieder nicht auf meiner Karte eingezeichneten Passo dell Oppio (821 m.ü.M.) begann dann aber die kühle, aber steile, kurvenreiche und v.a. sehr lange Abfahrt Richtung Pistoia. Von da an gings dann auf der Nebenstrasse eher eben Richtung Florenz. Ich genoss es richtiggehend, mal wieder nur gerade aus und mit höherem Tempo zu fahren. In Florenz fuhr ich dann einwenig durch die Gassen der sehr schönen Altstadt, machte ein paar Erinnerungsfotos und genehmigte mir erstmals auf der Tour ein feines italienisches Mittagessen (Penne, Pizza, Cola). Endlich mal wieder was richtiges im Magen, denn weil es am abend immer schnell dunkelt und abkühlt, ernähre ich mich bisher von Fertigsalaten, Brot, Poulet etc. Zum selber kochen ist es mir einfach zu ungemüthlich. Nach der verlängerten Mittagspause gings erneut den Hügel rauf auf der Nebenstrasse Richtung Arezzo. Zum Glück aber kam ich schon bald wieder auf die Hauptstrasse, wo ich viele Dörfer / Städte durchfuhr, wo ich doch noch zu trinken und essen für morgen Sonntag besorgen konnte. Schlussendlich fuhr ich mit 6 Litern Flüssigkeit hier in der hintersten verborgendsten Ecke einer Wiese, ca. 20 km von Arezzo entfernt, ein, wo ich zum Glück gleich mein nasses Zelt zum trocknen aufstellen konnte. Das Wetter heute war vorwiegend stark bedeckt, hoffentlich regnet es morgen nicht. Morgen gehts weiter Richtung Osten nach Perugia, angeblich auch eine sehr schöne Stadt.
5.Tourtag - 16.03.2008 - Bucine nach Assisi, 135 km
Heute morgen früh war es klar milder, kurz nach Abfahrt zeigte die Temperatur bereits 10 Grad an, es war starkt bedeckt, aber mit Ausnahme ein paar einzelner Regentropfen bliebe es den ganzen Tag trocken. Eigentlich war das heute ein ganz guter Tag. Mit Ausnahmen vorwiegend eben, fuhr ich auf der heute Sonntag angenehm zu fahrenden Hauptstrasse via Arezzo entlang des Lago Transimeno ins Gebiet Umbrien. Die Landschaft in der Toskana ähnelte jender der Emilia Romagna, nur dass ich mich diesmal an die grösseren Strassen hielt und so den happigen Bergetappen aus dem Weg gehen konnte. Trotzdem gabs ein paar schöne Burgen / Kirchen und Orte zu erleben, von welchen das Städtchen Passignano am Lago Transimeno einen ganz schönen Eindruck machte. Nach ca. 100 km erreichte ich gegen 13.00 Uhr die Hauptstadt Umbriens, Perugia. Doch leider benötigte ich nochmals mind. 30 min. für den steilen Aufstieg in die stark erhöhte Altstadt. Das war ganz schön hart, insbesondere im Wissen, dass eigentlich eine spezielle Bahn hinauf in die Altstadt fahren würde. Wie bereits gestern genoss ich erneut ein italienisches Menue in einem Restaurant. Da heute Sonntag ist, kam ich mir mit meinen teils schmutzigen Kleidern / Schuhen doch etwas anders vor als all die anderen Personen. Aber egal. Das Essen schmeckte! Mein Ziel für heute war anschl. noch das ca. 20 km entfernte Assisi (nach dem Ordensgründer Franz von Assisi) zu erreichen. Kurz vor der Stadt nahm ich mir dann spontan ein B&B, verräumte gleich alle Taschen im Zimmer und machte mich mit dem "nackten" Fahrrad auf nach Assisi. Der blosse Anblick der Stadt im Hang von der Ferne war schon sehr imposant. Ich begab mich die steile Strasse aufwärts und stand vor den Toren der Stadt mit dem Blick auf die gewaltige Doppelkirche "Basilica di San Francesco". Gerade begann eine Messe und der Gesang des Pfarrers erklang wunderbar durch die wunderschöne tunnelförmige Kirche mit den herrlichen Gemälden. Zurück in der "Pension" genoss ich eine warme Dusche und geniesse jetzt gerade das "ultraweiche" Bett, die Wärme und dich Möglichkeit mal länger mit Licht aufzubleiben. Ich bin gespannt was der morgige Tag im östlicheren Italien mit sich bringt.
6.Tourtag - 17.03.2008 - Assisi nach Capradosso, 130 km
Nach angenehmer Nacht im weichen grossen Bett bestieg ich nach Bezahlung der 25 Euro (ohne Frühstück) um 07.15 Uhr mein Bike. Nach langem Abwägen der heutigen Route entschied ich mich zunächst auf der wenig schönen, aber dafür ebenen Parallel-Strasse zur Schnellstrasse bis Folignio zu fahren. Dort gönnte ich mir einen Kaffee mit Süssgebäck und konnte in einem längeren Gespräch mit der "Bar-Dame" bessere italienisch Kenntnisse aneignen, es war jedenfalls witzig mit den Sprachschwierigkeiten... Später kam ich nach Spoletto, wo ich fast unausweichlich (alternativ sehr hügelige Route) auf der eher viel befahrenen Hauptstrasse 3 bis nach Terni fahren musste. Zu meiner grossen Ueberraschung war diese Route nur zeitweise stärker befahren, dafür aber schnitt sich die Strasse herrlich inmitten der steilen Berge hindurch. Die Landschaft war super und auch die langgezogenen Steigungen blieben nicht aus. Ab Terni nahm ich die ebenfalls sehr schöne und verkehrsarme Nebenstrasse 79 bis Rieti, vorbei an einem schönen See, die Strecke eher flach. Anschliessend gings nochmals hoch hinaus auf der Strasse 578 südöstlich Richtung Avezzano. Auch diese Teilstrecke war ziemlich eindrucksvoll. Hoch erhoben über dem Tal und an den grossen Hügeln vorbei zog sich die Route 12 km hoch, über viele Brücken, teilweise mit schönem Blick hinunter zum kleinen See. Nun habe ich mit viel Fantasie (ab durch die Büsche) eine tolle Wiese zum Uebernachten entdeckt, nur etwa 15 m unterhalb der Strasse, wo es morgen weitergeht. Das war heute eine ganz gute Route. Noch immer befinde ich mich inmitten der Hügellandschaften Italiens, doch die Route heute war viel angenehmer als jene in der Emilia Romagna, weil die Steigungen länger, dafür weniger steil und vor allem nicht so häufig sind wie da. Erneut war mir das Wetterglück treu. Es war trocken bei 10 - 15 Grad. Für morgen ist eine angeblich schöne Bergetappe geplant. Ich bin ja gespannt und freue mich darauf.
7.Tourtag - 18.03.2008 - Capradosso nach Alfedena, 145 km
Heute erwartete ich mit Spannung die Tour durch den Nationalpark d'Abruzzo. Zunächst gings bei kühlen Temperaturen wie gestern aufwärts, über Brücken von einem Hügel zum Anderen und durch einige kurze Tunnels. Den Muskelkater verspührend, frage ich mich wie's denn erst über den Nationalpark kommen würde...? Via Avezzano kam ich nach weiteren 20 km nach Pescina (ca. 730 m.ü.M.). Die Berge bereits sichtbar, begann der kurvige Aufstieg aber erst bei Gioia auf der Strasse 83. Noch wars trocken, teilweise zeigte sich sogar die Sonne kurz. Der Aufstieg auf 1400 m.ü.M. (Gioia Vecchio) war zwar streng, doch waren die Steigungen viel angenehmer als am 3.Fahrtag. In dieser Höhe wars dann ziemlich windig und kalt, leider beganns dann auch noch zu regnen. So machte ich einen Kurz-Stopp um all das Velogepäck und auch mich regensicher zu machen. Dann konnte die Fahrt weitergehen. Die Strecke führte schön zwischen Bergen hindurch, vorwiegend abwärts via Pescasseroli hinunter zum Stausee bei der Ortschaft Barrea. Dort war dann erneut ein kleiner Kraftakt notwendig um nochmals ca. 200 Höhenmeter über den letzten Berg zu kommen. Die Abfahrt hinunter nach Alfedena war dann bei mittlerweile wieder trockenen Verhältnissen zum geniessen. Spontan wählte ich mir bereits um 16.30 Uhr auf eine der vielen Wiesen ein Uebernachtungsplatz aus, dies die nächste Steigung im Visier und aufgrund der Beschilderung, dass Napoli nur noch ca. 140 km entfernt ist. Vor Donnerstag möchte ich nicht in Napoli sein, mal sehen was für eine Route mir noch einfällt für die 2 Tage. Brrr, es ist kalt, bin froh wenn es dunkelt und ich mein Zelt aufstellen kann. Leider bin ich in Sichtweite zur Strasse (ca. 100 m). Wenige Meter hinter dem Busch vekehrt wieder mal eine Zuglinie. Nichts neues also. Auf eine hoffentlich warme Nacht.
8.Tourtag - 19.03.2008 - Alfedena nach Pozzuoli, 145 km
Die Nacht endete heute regnerisch. So blieb ich noch etwas länger liegen, bis sich die Regentropfen eine Pause gönnten. Geschlafen hatte ich trotz kühlen Aussentemperaturen dank Termo-Oberteil und 2 Pullover und zusätzlichem Innenschlafsack sehr gut, ich hatte warm. Noch vor 08.00 Uhr startete ich bei Kälte, doch glücklicherweise gings schon wieder bergauf... Nicht mal der plötzlich einsetzende Schneeregen (!) konnte mich in meiner Vollpackung noch irritieren. Dann folgte eine Abfahrt auf der eher verkehrsreichen Strasse 652 bzw. 158, sie dauerte, dauerte und dauerte. Herrrlich eine so lange Abfahrt. Via Venafro - Capua (dies war übrigens die klar Lastwagenreichste Teilstrecke der ganzen Tour) zogs mich dann westwärts nach Castel Volturno an die Küste. Dort erwartete ich eigentlich eine schöne Strasse mit Blick zum Meer. Umso grösser war die Ernüchterung, als ich mich auf dem Weg Richtung Napoli in einer eher "unsicheren" Umgebung wiederfand. Prostitution überall, vorwiegend schwarzafrikanische Menschen (nicht wertend gemeint, sondern nur eine Beobachtung), viel Abfall; ich fühlte mich ganz einfach sehr unwohl auf dieser langen Strecke entlang dem Meer (ohne Meeresblick). Da hatte es das seine dazugetan, dass mich ein Italiener in einer einsameren Seitenstrasse (ich wollte zum Campingplatz fahren - geschlossen), ansprach und mir riet, sehr gut auf meine Sachen aufzupassen. Dass er gerne mal Schweizer Bargeld gesehen hätte, was ich ablehnte, war dann noch eine andere Anektote. Ich war bereits bedient von dieser Gegend, als ich doch noch glücklich einen ganz feinen Campingplatz vor Pozzuoli fand, wo ich schlussendlich die verbleibende Zeit bis zu meinem Rückflug bleiben wollte. Die 18 Euro / Nacht nahm ich in dieser Gegend gerne in Kauf. Es bleiben nun 2 Tage, um Napoli, Pompei und ev. den Vulkan Vesuvo zu besichtigen.
20. / 21.03.2008 - Mein Aufenthalt in Pozzuoli / Napoli
Am 1.freien Tag zogs mich mit dem Fahrrad ins ca. 20 km entfernte Napoli. Da sich auf dem Hinweg wie aus heiterem Himmel plötzlich schwarze Gewitterwolken entleerten, bevorzugte ich bereits völlig durchnässt die Weiterfahrt mit der Metro vorzunehmen. In der Stadt erlebte ich keine Abfallberge (wie teilw. im TV ersichtlich war), sondern reges Marktleben, typisch italienische Verkehrsverhältnisse mit buntem Gehupe und einigen sehr schönen Bauten. Aber ehrlich gesagt, das Velo immer im Auge, dazu stündlich wiederkehrende Regenfälle, sehr auffällige Blicfke auf das (mein) einzige Fahrrad der Stadt; ganz entspannen konnte ich nicht und auch sonst hat mich Napoli nur wenig überzeugt. Am heutigen 2.freien Tag beliess ich mein Velo auf dem Campingplatz und machte mich bereits früh auf in das ca. 50 km entfernte Pompei. Dort bot sich mir sogleich die Gelegenheit, an einer geführten Tour zum Vulkan Vesouvio im Südosten Neapels teilzunehmen. Der Vulkan, der 79 n.Chr. ganz Pompei zuschüttete, ist auch heute noch ein grosser Anziehungspunkt für die Touristen. So nahmen wir (eine Familie aus Martigny, 2 Australierinnen und ich) für pauschal 30 Euro (Fahrt, Eintritt, Guide) an der Führung teil. Bis recht weit hinauf konnten wir mit den Fahrzeugen fahren. Dann aber wahr Gehen angesagt: Die Kälte und der Nebel spürbar, wanderten wir die letzten 800 m auf Lavaschotter hinauf zum Kraterrand, wobei vor allem die Australierinnen mit ihren offenen Schuhen ziemlich zu leiden hatten unter dieser Kälte. Die Informationen des Guide und die teilweise tolle Aussicht hinunter nach Neapel und das Meer trug zu diesem gelungenen Ausflug bei. Zurück in Pompei, besuchte ich (für weitere 11 Euro), die aus dem Lavagestein ausgegrabene römische Alt-Stadt. Unglaublich, wie gut teil Tempel, Säulen, und Häuser noch erhalten sind und einen Eindruck über den römischen Altag geben. Nach Pompei, Vesuvio und Napoli fehlt nur noch eines: eine echte Pizza Napoletana (Tomaten Mozzarella, Sardellen); dann ist der Besuch der Region Napoli komplett...
Italien aus meiner Sicht:
Wer Italien mit dem Fahrrad erleben will, wird bald merken, dass es kaum flache Gebiete gibt. Besonders in der Region Emilia Romagna und der Toskana bekam ich die nie endenden Hügel- und Gebirgslandschaften zu spüren. Dazu kommt, dass sich die meisten Orte auf irgendwelchen Erhebungen befinden. Da die Steigungen eher knackig (bis 15%) als dezent sind, kann die zunächst herrschende Freude über die tollen Landschaften nach dem x-ten Hügel durchaus weichen in leise Hoffnung auf eine (halt verkehrsreichere) Hauptstrasse. Gerade diese flachen Hauptstrassen führen dann aber oft entlang Industrie-Gebieten, sind verkehrsreicher, dafür kommt man schneller vorwärts und kann sich wieder etwas erholen. Strassenpässe gibt es recht viele in Italien, vor allem im Apennin-Gebirge. Auf meiner Tour über den nördlichen Appenin wählte ich den Abetone-Pass (1388 m.ü.M.) und wurde an diesem Skiort von den Skitouristen doch etwas gar komisch angeschaut... Empfehlenswert ist gutes Kartenmaterial, ich hatte mit meiner 1:800 000 Karte doch etwas Mühe, da viele Pässe gar nicht eingezeichnet waren und häufig die Ortschaften auf den Wegweisern nicht drauf waren. Mit meinem sehr limitierten italienischen Wortschatz kam ich zumindest auf dem Land gut zurecht, in der Stadt wurde es bei aufwändigeren Erklärungen dann etwas schwieriger, immer mehr Italiener sprechen einwenig Englisch. Die Kriminalität ist vor allem in den Grossstädten wie z.B. Napoli spürbar, hier sollte man seine Sachen / Fahrrad nicht aus den Augen lassen und auf keine angeblichen "Schnäppchen"-Angebote auf der Strasse eingehen. Gerade wenns ums wild zelten ging, wurde ich durch Italiener ein paar mal auf die Gefahr hingewiesen. Negative Erlebnisse kann ich jedoch keine berichten. Es zählen m.E. die selben Vorsichtsmassnahmen wie in anderen Ländern. Rückblickend imponierten mir vor allem die schönen (anstrengenden) Berg- und Hügellandschaften Italiens, die in Europa wohl einzigartigen antiken Gebäude / Burgen / Kirchen und die Zeugnisse der römischen Geschichte. In Erinnerung bleiben werden mir auch die wunderbare Stadt Florenz, das Städtchen Assisi und die alte Stadt Pompei, welche nach dem Vulkanausbruch (Vesuvo) 79 n.Ch. wiederentdeckt und ausgegraben wurde.
Route
Meine Route im Jahr 2008
| Datum | Strecke | Distanz | Wetter | Nacht |
| 12.03.2008 | Chiasso - Treviglio | 80 km | sonnig | wild |
| 13.03.2008 | Treviglio - San Polo Denza (nach Parma) | 145 km | sonnig | wild |
| 14.03.2008 | San Polo Denza - Abetone | 115 km | sonnig | wild |
| 15.03.2008 | Abetone - Bucine (vor Arezzo) | 140 km | bewölkt | wild |
| 16.03.2008 | Bucine - Assisi | 135 km | bewölkt | B&B |
| 17.03.2008 | Assisi - Capradosso (nach Rieti) | 130 km | bewölkt | wild |
| 18.03.2008 | Capradosso - Alfedena (nach Abruzzo Park) | 145 km | teilw. Regen | wild |
| 19.03.2008 | Alfedena - Pozzuoli (vor Napoli) | 145 km | teilw. Regen | Camping |
| 20.03.2008 | Ruhetag (Besichtigung Napoli) | teilw. Regen | Camping | |
| 21.03.2008 | Ruhetag (Besichtigung Pompei, Vesuvo) | bewölkt | Camping | |
| 22.03.2008 | Rückflug Napoli - Basel | 20 km | Regen | |
| Total | 1055 km |
Fotos
Italien 2008
Etsch-Radweg Tagebuch
Vorwort:
Nach über 40 Ländern, die ich mit dem Fahrrad bereist habe, zieht es mich nun auf eine Reise, die zugleich nah und neu ist: Ich will die Schweiz umrunden. Nicht durch sie hindurch – sondern außen herum. Eine Rundfahrt durch Oesterreich, Italien, Frankreich und Deutschland, vielleicht auch durch Liechtenstein. Was auf den ersten Blick einfach aussieht, ist in Wirklichkeit aber von hohen Bergen, Pässen, Jahreszeiten, Grenzen und logistischen Kniffen geprägt. Da gibt es den Mont Blanc Tunnel, welcher für Fahrräder gesperrt ist, Wintersperren von Alpenpässen und Strecken, die ich bereits gefahren bin und deshalb vermeiden möchte. Das macht die Reise nicht weniger reizvoll – im Gegenteil: Es zwingt zum Umdenken, Umplanen, Umwege-Finden. Und genau darin liegt oft das Abenteuer. Weil ich diese Tour nicht am Stück fahren kann, wird sie sich in Etappen entfalten. Immer wieder reise ich mit dem Zug an Start- und Zielpunkte, setze dort an, wo ich zuletzt aufgehört habe, und lasse mich treiben – vom Wetter, vom Terrain, von der Lust aufs Weiterkommen. Diese Umrundung ist deshalb keine sportliche Mission, kein Wettkampf gegen die Zeit. Es ist ein langsames, staunendes Erkunden einer Grenze – geografisch und symbolisch. Ein Blick auf die Schweiz von außen, aber vor allem auch auf die vielen Facetten ihrer Nachbarländer, Landschaften und Kulturen. Ich freue mich auf die Freiheit, die Natur aber auch die Anstrengungen die diese Reise mit sich bringen wird.
04.08.2025 - Von Scuol (CH) über Nauders (AT) bis nach Schlanders (IT)
Unsere Reise beginnt in Scuol (Schuls), auf 1.290 Metern über dem Meer. Das charmante Dorf im Engadin begeistert uns sofort: wunderschöne Engadiner Häuser mit bemalten Fassaden, enge Gassen und ringsum die gewaltigen Berge der Unterengadiner Alpen. Tief unterhalb des Orts rauscht der Inn durch das Tal – bei Sonnenschein türkisblau, heute eher blaugrau. Eindrucksvoll dagegen die satt grünen Wälder und hohen grauen Felswände. Nach dem Einchecken im Hotel genießen wir ein Abendessen und unternehmen noch einen kleinen Spaziergang durch das Dorf. Als wir zur Kirche gelangen, dürfen wir zufällig einer Probe der örtlichen Jugend-Brass-Band lauschen – ein wunderschöner, sinnlicher Moment in dieser ruhigen Abendstimmung. Zurück im Hotel entdecken wir dann noch eine kleine technische Überraschung: eine moderne WC-Dusche, wie man sie eher aus anderen Ländern kennt.
Am Morgen des 4. August zeigt sich das Engadin noch kühl, nur 9 °C zeigt das Thermometer um 8 Uhr. Wir stärken uns beim sehr feinen Frühstück und starten schließlich um 09.20 Uhr bei rund 12 °C zu unserer Etappe. Die Route führt uns zunächst entlang des Inns, in Richtung österreichische Grenze. Wir entscheiden uns anfangs für die gut asphaltierte Hauptstraße, obwohl später klar wird, dass auch ein wunderschöner Radweg direkt am Fluss entlangführt – teilweise mit Schotterbelag. Doch der Vorteil unserer Route: Wir rollen auf sanftem Gefälle stetig bergab, kommen gut voran und genießen atemberaubende Ausblicke auf das Wasser des Inn, das sich durch das Tal windet. Kurz nach dem kleinen Ort Martina überqueren wir die Grenze – wir verlassen die Schweiz und betreten Österreich. Hier beginnt der Anstieg zur Norbertshöhe. In mehreren Kehren führt uns die Strasse durch dichte Tannenwälder, flankiert von beeindruckenden Bergflanken. Immer wieder öffnet sich der Blick zurück ins Tal mit dem Fluss, der sich nun tief unter uns durch die Landschaft zieht. Kleine Wasserfälle plätschern am Strassenrand herab, die Luft ist frisch und klar. Der Anstieg ist dank den Kehren kurzweilig – aber wir sind nicht allein: Viele Radfahrer sind unterwegs, die meisten allerdings mit E-Bikes. Das Wetter ist weiterhin stark bewölkt, aber trocken. Auf 1405 m.ü.M. erreichen wir die Norbertshöhe – und rollen nach einer kurzen Pause bergab nach Nauders. Dort versuchen wir zunächst, ein kurzes Stück auf der Hauptstraße zum Reschenpass zu fahren, geben aber nach etwa 100 Metern wieder auf: zu viel Verkehr, überwiegend mit deutschen Autos, auf dem Weg nach Italien. Zum Glück gibt es einen hervorragend ausgebauten, asphaltierten Radweg, der direkt an den Bergbahnen von Nauders vorbeiführt, wo reger Betrieb mit Mountainbikern herrscht. Von hier beginnt der letzte sehr sanfte Anstieg bis zum Reschenpass. Kurz vor 12 Uhr erreichen wir die Passhöhe – und damit unser drittes Land auf dieser Reise: Italien mit der Region Südtirol-Trentino. Es folgen noch etwa 15 Minuten leichter Anstieg bis zum Reschensee, wo wir uns plötzlich mitten in Südtirol wiederfinden. Hier spricht man immer noch Deutsch. Es ist windig und immer noch bedeckt. Zwar fallen vereinzelt ein paar Tropfen, doch es bleibt trocken. Am malerischen Reschensee machen wir Mittagspause – in einem urigen Holzhütten-Restaurant, begleitet von Schlagermusik. Besonders interessant ist der Preisvergleich: Ein Tomate-Mozzarella-Salat, der uns gestern Abend in Scuol in der Schweiz noch 17 Franken kostete, steht hier für 9 Euro auf der Karte. Nach etwa einer Stunde Pause geht es weiter – aufgrund leichtem Regen, mit Regenjacke & Regenhosen. Wir folgen dem linken Ufer des Reschensees auf einem guten Schotterweg. Bei Graun kommen wir an einem der bekanntesten Fotomotive Südtirols vorbei: dem halb versunkenen Kirchturm von Alt-Graun. Er ragt mahnend aus dem See – ein stilles Denkmal an das untergegangene Dorf, das in den 1950er Jahren durch die Aufstauung geflutet wurde. Kurz darauf erreichen wir den Haidersee, an dessen rechter Uferseite wir auf einem separaten Radweg weiterfahren – die Kulisse bleibt eindrucksvoll. Nach dem See geht es zügig und steil bergab, auf gutem Asphalt, bis hinunter in das historische Dorf Burgeis, auf 1.200 m Höhe. Wir passieren enge Gassen, plätschernde Brunnen und jahrhundertealte Häuser – sehr eindrücklich. Gegen 14 Uhr fahren wir weiter Richtung Süden und erreichen bald darauf Glurns – die kleinste Stadt Südtirols, vollständig von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgeben. Der Ort ist sehr touristisch, aber auch sehenswert. Wir gönnen uns einen Kaffee und schlendern kurz durch die Altstadt. Was uns auffällt: In dieser Region ist alles konsequent zweisprachig ausgeschildert – Deutsch und Italienisch stehen gleichberechtigt nebeneinander. Gegen 15.20 Uhr steigen wir wieder aufs Rad und folgen nun dem Fluss Etsch ostwärts. Ein paar Kilometer später sehen wir einen Wegweiser zum Stilfserjoch-Pass. Die Route über den Pass wäre eigentlich die grenznächste Route um die Schweiz. Da wir diesen Pass aber bereits mit dem Fahrrad einmal befahren haben, habe ich für die Umrundung der Schweiz eine neue Route gesucht, welche nun eben nach Meran führt. Zwischen Obstplantagen und dem nun bereits etwa sechs Meter breiten Fluss fahren wir die letzten 20 Kilometer auf meist asphaltierten Radwegen. Um 16:45 Uhr – nach rund 80 Kilometern – erreichen wir unser Tagesziel: Schlanders, auf 720 Metern über dem Meer. Die Landschaft ist inzwischen deutlich lieblicher – sanfte Hügel, Obstgärten und die Wärme des Südens sind nun allgegenwärtig.
05.08.2025 - Auf dem Etsch Fahrradweg weiter über Meran nach Bozen
Heute ist wieder ein strahlender Sonnentag. Bereits am frühen Morgen spannt sich der Himmel in leuchtendem Blau über uns und die Berge zeichnen sich mit klaren Konturen gegen das Licht ab. Um 09:00 Uhr starten wir unsere heutige Etappe in Richtung Meran. Das Tagesziel: Bozen. Schon kurz nach dem Start tauchen wir in endlose Apfelplantagen ein, durch die sich unser Weg schlängelt – immer begleitet vom sanften Flusslauf der Etsch. Der Radweg ist hervorragend asphaltiert und ausschließlich für Fahrradfahrer freigegeben, was das Fahren entspannt und angenehm macht. Da die Hauptstraße meist weit entfernt verläuft, herrscht hier eine wohltuende Ruhe – nur das leise Plätschern des Flusses begleiten uns. Einige Kilometer vor Meran führt der Weg schließlich in mehreren engen Kehren hinab – etwa 150 bis 200 Höhenmeter verlieren wir hier. Die Etsch zeigt sich in diesem Abschnitt deutlich wilder. Der Radweg folgt weiterhin ihrem Lauf, nun zwischen imposanten Bergflanken und den endlosen Reihen sonnenverwöhnter Apfelbäume. Links und rechts erheben sich die ersten Vorboten der Südtiroler Alpen – schroffe Hänge, teils bewaldet, teils karg und felsig. Gegen 11:15 Uhr erreichen wir Meran auf etwa 325 Metern über dem Meeresspiegel. Hier gönnen wir uns eine ausgedehnte Pause und nehmen den 1er-Sessellift, der uns einen herrlichen Überblick über die Stadt bietet. Von oben schweift der Blick über die Dächer Merans, erstmals hören wir Zypressen und sehen Palmen – ein Hauch von mediterranem Flair liegt in der Luft. Die Fußgängerzone in der Altstadt lädt mit vielen kleinen Läden, Cafés und Restaurants zum Bummeln ein. Entlang dem Bach Passer erstreckt sich eine wunderschöne, blumenreiche Promenade. Die Wegweiser sind weiterhin zweisprachig angeschrieben, doch Italienisch dominiert zunehmend das Klangbild der Stadt. Nach über zwei Stunden Pause, gegen 13:30 Uhr, schwingen wir uns wieder auf die Räder. Der Weg führt weiter südwärts entlang des Etschdamms – zu unserer Linken begleitet uns nun die einspurige Vinschgerbahn sowie die Apfelplantagen, rechts ist weiterhin der Fluss unser ständiger Weggefährte. Kurz vor Bozen öffnet sich das Tal, und wir erhalten ein neues Panorama: Vor uns ragen die bizarren Felsformationen der Dolomiten empor. Besonders eindrucksvoll zeigen sich die rund 2.800 Meter hohen Vajolet-Türme sowie der markante Schlern, ein Wahrzeichen Südtirols. Um 15:15 Uhr rollen wir schließlich bei mittlerweile fast 30 Grad in Bozen ein – nach rund 68 Kilometern auf dem Rad. Die Stadt ist umgeben von Weinbergen und die Altstadt ist mit seinen historischen Bauten und engen Gassen ein Besuch wert.
06.08.2025 - Neu in der Region Venetien, Fahrt nach Rovereto
Um 09:00 Uhr starten wir unsere Tour bei Bozen. Gleich zu Beginn überqueren wir die Etsch und folgen dann zunächst dem Fluss Eisack, der sich zu unserer linken durch die Landschaft schlängelt, während die Etsch etwas weiter rechts, fast verborgen in den Büschen, ruhig südwärts fließt. Nach wenigen Kilometern vereinen sich die beiden Flüsse, der Flussname Etsch setzt sich durch. Die Route, die so nah an den Flüssen verläuft und von mächtigen, steilen Bergen eingerahmt ist, begeistert mich erneut. Auch heute begleiten uns wieder riesige Apfelplantagen – sie reichen stellenweise so nah an die Hausmauern heran, dass es scheint, als würden die Höfe und Wohnhäuser inmitten der Plantagen verschwinden. Zur linken Seite liegt die Hauptstraße, zur rechten schlängelt sich die Autobahn – alles verläuft parallel im Talboden, doch davon spüren wir auf dem Radweg fast nichts – es ist angenehm ruhig. Etwa 20 Kilometer vor Trient wird das Tal deutlich enger. Die Berge rücken näher und verändern ihr Gesicht: Mal schroff und grau, mal warm und rötlich schimmernd – das Gestein wechselt seine Farbe. Wie aus dem nichts sehen wir plötzlich ein Reh direkt über den Radweg springen – ich mag diese Wildtier Erlebnisse. Oft idyllisch unter einem Lindenbaum direkt am Fluss gelegen, passieren wir mehrere kleine Rastplätze, welche gerne von Fahrradfahren für eine kleine Pause genutzt werden. Auf diesem Abschnitt sind auch heute viele andere Radfahrer unterwegs – eine Mischung aus sportlichen Gruppen und gemütlichen Tourenradlern. Gegen 11:00 Uhr überqueren wir die Grenze zur Provinz Trento / Trentino. Die Wegweiser und Beschilderungen, die bisher zweisprachig waren, zeigen nun nur noch italienische Beschriftungen – wir sind eindeutig im italienischsprachigen Teil Südtirols angekommen. Die Brücken sind hier liebevoll geschmückt – mit bunten Blumen, die in Kästen an den Geländern hängen und das Landschaftsbild verschönern. Die letzten etwa 15 Kilometer vor Trient verlaufen kurz entlang der Autobahn und durch Industriegebiete, doch alles auf den Fahrradwegen. Gegen 12:30 Uhr erreichen wir nach 64 Kilometern die wunderschöne Altstadt von Trient (Trento). Wir gönnen uns eine kleine Besichtigung – die engen Gassen, die historischen Fassaden und der Domplatz sind ein echtes Highlight. Nach einem ausgiebigen Mittagessen geht es weiter Richtung Süden – unser nächstes Ziel: Rovereto. Dünklere Wolken ziehen auf, und ein leichter Gegenwind kommt auf – wir hoffen trocken ans Ziel zu kommen. Die Strecke bietet ab hier weniger landschaftliche Höhepunkte, die Etsch bleibt aber unser treuer Begleiter. Um 15:30 Uhr, nach insgesamt 90 Kilometern und auf 204 m.ü.M., erreichen wir unser Tagesziel in Rovereto.
07.08.2025 - über den Gardasee nach Verona
Der Radweg führt im Schatten der immer noch imposanten Berge südwärts, stets begleitet vom ruhigen Lauf der Etsch. Gegen 10:00 Uhr lassen wir die Region Trentino-Südtirol hinter uns und erreichen die Region Venetien. Bald müssen wir uns entscheiden, auf welcher Flussseite wir weiter südwärts fahren möchten, die Beschilderung zeigt beide Möglichkeiten an. Wir entscheiden uns wie andere Velofahrer für die rechte Uferseite. Die Route schlängelt sich kurvenreich aber sehr schön durch die Weinberge, statt der ausschliesslich flachen Etappe von gestern folgen nun ein paar ganz kurze aber knackige Anstiege mit 10% Steigungen.
Wir fahren abwechslungsreich durch ein paar kleine italienische Orte und der Etsch-Radweg folgt nun primär dem Nebenkanal. Kurz vor Mittag folgt der etwas längere Anstieg hoch nach Rivoli Veronese auf ca. 200 m.ü.M. Auf den Hängen rund um das Dorf wachsen Oliven und Zypressen, und Wegweiser informieren uns über die Distanzen nach Verona (28 km) oder zum Gardasee (10 km). Wie viele andere Radfahrer machen wir hier eine verdiente Mittagspause. Währenddessen kommt Rebi auf eine spontane Idee: Der Gardasee liegt nur rund 10 Kilometer von hier - warum also nicht kurz dorthin fahren und baden gehen? Wir haben in den letzten Tagen so viele Städtchen angeschaut, so dass wir nicht zu früh in Verona ankommen möchten. Gesagt, getan – wir verlassen den Etschradweg und folgen einer Nebenstraße westwärts nach Bardolino. Glücklicherweise ist kaum Verkehr, und nach rund 30 Minuten erreichen wir die Uferpromenade des Gardasees. Das südliche Flair ist sofort spürbar – Cafés, Boote und viele Urlauber. So tauschen wir unsere Fahrradkleider mit Badekleider und geniessen während über 2 Stunden die Sonne, das Badem in See, Lesen und Eiskaffee trinken. Dann machen wir uns wieder auf den Fahrradsattel, Verona ist schliesslich noch 30 km entfernt. Schon bald erreichen wir wieder den offiziellen Etsch-Radweg und folgen dem Seitenkanal, der uns auf meist flachem Terrain weiter südwärts führt. in den Vororten von Verona fällt uns die Orientierung etwas schwerer, und wir sind uns nicht sicher, ob wir noch auf dem offiziellen Radweg sind. So fahren wir vereinzelt auf Autostrassen, bis wir schliesdlich einen der Kanäle wieder entdecken. Schließlich erreichen wir gegen 18.00 Uhr die Altstadt von Verona, auf nur noch 60 Metern über dem Meeresspiegel. Unser Hotel liegt zentral – unweit der berühmten Arena di Verona. Von hier aus gehts morgen mit dem Zug heimwärts. Ein erster Teil der Schweiz-Umrundung wäre geschafft. Der Etsch-Radweg hat uns mit seiner tollen Routenführung abseits des motorisierten Verkehrs begeistert. Gerade auch mit Kindern deshalb sehr empfehlenswert.
Route
Unsere Routen der Umrundung der Schweiz - wohl ein mehrjähriges Projekt mit Start im 2025
| Datum | Strecke | Distanz | Fahrtag | mit | Nacht |
| 04.08.2025 | Scuol (CH) - Nauders (A) Schlanders (I) | 80 km | 09.20 - 16.45 Uhr | Rebi | Hotel |
| 05.08.2025 | Schlanders - Bozen | 68 km | 09.00 - 15.15 Uhr | Rebi | Hotel |
| 06.08.2025 | Bozen - Rovereto | 90 km | 09.00 - 15.30 Uhr | Rebi | B&B |
| 07.08.2025 | Rovereto - Gardasee - Verona | 88 km | 08.45 - 18.00 Uhr | Rebi | Hotel |
| Zwischentotal | 326 km | ||||
Fotos
Aktuelles Projekt - Schweizumrundung