
Glarner Alpen (2026)
4-Tageswanderung (T3+/T4)
In diesem Sommer 2026 hatten wir erstmals die Möglichkeit, eine 4-Tages-Wanderung zu machen. Eher zufällig haben wir die Route von Hinter Sand (ab Bahnhof Linthal) zur Fridolinshütte - Planurahütte - Claridenhütte bis zum Fisetenpass gefunden. Ein Glücksgriff - diese Route hat zwar konditionell gefordert, mit den Anforderungen T3+ bzw. T4 am letzten Tag jedoch enorm viel Abwechslung zu bieten. Wir haben Schneehühner entdeckt, Gemsen und Murmeltiere aber auch Weideflächen mit Schafen & Kühen passiert. Jeden Tag war die Möglichkeit da, sich in einem See nahe der Hütten abzukühlen oder vom Schweiss zu befreien. Nebst der oft rauen, steinigen Landschaft zwischen 2000 und 3000 m.ü.M. haben wir aber vor allem überaus eindrückliche grosse Gletscher gesehen, wo ich gar nicht wusste, dass es solche im Rahmen einer normalen Bergwanderung überhaupt zu sehen gibt. Wie lange dies wohl noch möglich sein wird? Speziell an dieser Tour war zudem, dass wir in den Hütten immer wieder auf ein paar bekannte Gesichter trafen, die dieselbe Route machten wie wir. So trafen wir uns teilweise beim Essen, beim Baden im See zum Spiele machen in den Hütten oder einfach zum Erfahrungen & Erlebnisse austauschen.
Etappe 1 - Hinter Sand zur Fridolinshütte (T3)
Das Alpentaxi brachte uns vom Bahnhof Linthal auf steiler, teils spektakulärer Strasse nach Hinter Sand auf immerhin 1305 m.ü.M. Zugegeben, auch mir wäre ein Start viel höher lieber gewesen, aber die Möglichkeit gibt es hier nicht. Wir folgen also der Beschilderung zu unserer ersten Übernachtung- und Akklimatisierungshütte auf 2110 m.ü.M., der Fridolinshütte. Schon nach wenigen Minuten Wandern entdecken wir noch vor dem Anstieg die ersten Murmeltiere. Dann gehts auf schmalen Wegen hinein ins Tal, durch ein Waldstück und mit schön geformten Bergen, die fast etwas an die Dolomiten erinnern. Bereits nach etwa 2 Stunden haben wir die 805 Höhenmeter hinter uns gelassen und erreichen die Fridolinshütte. Hier treffen wir auch auf Menschen, die von hier aus den Tödi besteigen möchten. Der Tödi ist mit 3'612 m der höchste Berg der Glarner Alpen. Wir geniessen jedoch zunächst ein Fussbad im kleinen See gleich unterhalb der Hütte, bevor wir uns nochmals ohne Rucksack auf einen "Spaziergang" in Richtung Gletscher sowie der historischen Grünhornhütte (geschlossen) machen.
Etappe 2 - Fridolinshütte zur Planurahütte (T3+)
Die heutige Route bis zur Planurahütte wird mit offiziell 4h 45 min angeben. Mit einem Blick auf die nahen Gletscher starten wir um 08.15 Uhr zu dieser etwas anspruchsvolleren Etappe. In der Nacht fegten noch sehr starke Winde durch das Tal und auch heute werden diese stellenweise stärker spürbar sein. Gleich zu Beginn geht über den Ochsenstock und dann wieder hinunter nach Ober Sand. Dabei passieren wir Schaf- Kuhweiden und Bergbäche, bevor dann der längere und teilweise steile Anstieg zur Planurahütte beginnt. Das Bild verändert sich von grünen Wiesen und seitlich schönen Bergen zu einer immer kargeren, felsigeren Landschaft. Erste Schneefelder & Gletscherzungen zeigen sich und einzelne steilere Anstiege sowie Passagen am Felsen werden mit Ketten unterstützt. Die Luft wird dünner, kurze Pausen etwas häufiger, mal kraxeln wir auf allen Vieren aber die Gegend bleibt extrem faszinierend und schön. Irgendwann sehen & hören wir Helikopter herumfliegen und werden dann völlig überrascht, als wir plötzlich vor dem riesigen Gletscher und dem Windkolk stehen. Wir kommen aus dem Staunen fast nicht mehr heraus. Die Planurahütte befindet sich leicht erhöht daneben auf 2948 m.ü.M. und die Sicht von der Terrasse der Hütte auf den riesigen Hüfi- und Claridenfirn ist unglaublich beeindruckend. Bei Kuchen und Getränk erholen wir uns bei der Hütte und nach einem kurzen Regenguss wandern wir noch zum nahen Piz Cazarauls, dem Grenzberg der Kantone Graubünden, Uri & Glarus auf 3'063 m.ü.M. Auch auf dieser Wegstrecke sind die riesigen Gletscher omnipräsent und machen so unsere müden Beine vergessen.
Etappe 3 - Planurahütte zur Claridenhütte (T3+)
Bereits um 06.00 Uhr sind wir und auch ein paar andere auf der Terrasse, um den Sonnenaufgang miterleben zu können. Mit etwas Wehmut können wir nicht den Weg über den Gletscher nehmen, da wir weder das notwendige Material noch ausreichend Gletscherkenntnisse haben. So starten wir nach dem Frühstück bereits gegen 07.45 Uhr wieder hinunter nach Ober Sand, also auf dem gleichen Weg wie gestern rund 1000 Höhenmeter abwärts. Nach etwa 2 Stunden haben wir die Talebene erreicht und wandern entlang des Baches bis nach Ober Sand (1927 m.ü.M.). Von hier geht es offiziell noch 2h 15 min zur Claridenhütte, wobei der Anstieg auf die Beggenlücke nochmals steil und schweisstreibend ist. Wir schrecken versehentlich ein Schneehuhn mit ihren vielen Küken auf und nehmen war, dass diese ja sehr gut fliegen können. Auch auf den imposanten Tödi mit seiner typischen Form haben wir von hier eine tolle Sicht. Bei der Beggenlücke entdecken wir dann weiter unten die Seen, auf die wir schon sehnsüchtig gewartet haben und dahinter ist auch die Claridenhütte erstmals zu sehen. Bei den Seen geniessen wir eine längere Pause mit Baden und Mittagessen, wobei wir hier auch wieder auf die 5-köpfige Familie sowie die 2 jungen Frauen treffen, welche die selbe Tour machen wie wir. In frischen Kleidern wandern wir dann noch ca. 10 min zur modernen Claridenhütte auf 2450 m.ü.M. Auch heute haben wir mit 600 Höhenmetern aufwärts und 1080 Höhenmetern abwärts ein paar Muskeln beansprucht. Durch die weitläufige Hüttenumgebung, dem Hund, ein paar Katzen und Hühnern geniessen wir aber auch hier die wunderbare Umgebung und erstmals befinden sich die WCs nun wieder innerhalb der Hütte.
Etappe 4 - Claridenhütte via Gemsfairenjoch zum Fisetenpass (T4)
Erstmals müssen wir heute mit Regen rechnen. Es ist stark bewölkt und Nebel hängt an den Bergen. Als Route zum Fisetenpass gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder als T3 in 2h 15 min. oder als T4 (alpine Route) über das Gemsfairenjoch in offiziell 3h 30min. Wir entscheiden uns erst am Frühstückstisch unter Einbezug des Wetters für die alpine Route. Bereits nach 08.00 Uhr beginnen wir somit nochmals mit einem Aufstieg in rauer, steiniger Landschaft, überqueren ein kleines Schneefeld und entdecken ein paar Restbestände kleinerer Gletscher. Die Route ist steil, aufwärts wandernd haben wir jedoch einen guten Halt. Schliesslich entdecken wir zunächst einen kleinen See und erst beim Übergang erkennen wir die komplette Landschaft: Der riesige Claridengletscher, der gebildete Gletschersee und abgebrochene Gletscherstücke im Wasser. Was für ein Bild selbst bei diesem ungünstigen trüben Wetter. In diesem Augenblick sind wir so froh und dankbar, haben wir uns für diese Variante zum Fisetenpass entschieden. Nach etwa 90 min haben wir bei nun leichtem Regen das Gemsfairenjoch auf 2846 m.ü.M. erreicht. Die nur 20 min Wanderung zum Gemsfairenstock lassen wir jedoch in Anbetracht der sehr schlechten Sicht bleiben und beginnen mit dem vor uns liegenden 800 Höhenmeter langen Abstieg. Aufgrund des Nebels können wir nicht sagen wie die Aussicht bei schönem Wetter gewesen wäre, wahrscheinlich jedoch ebenfalls eindrücklich. Die Wanderung auf dem Grat erfordert nur einmal während ca. 10 m Schwindelfreiheit, dort sind unterstützend Ketten angebracht. Ansonsten ist der Grat eher breit bzw. nur einseitig steil abfallend. Dies ist trotzdem eindrücklich. Mit den Schafweiden erreichen wir dann schon bald das Ende dieser 4-tägigen Tour. Vom Fisetenpass auf 2036 m.ü.M. erreicht man in 5 min die kleine Seilbahn, welche hinunter zum Urnerboden an der Klausenpassstrasse führt. Da die Postautos hier nicht regelmässig fahren, lohnt es sich den Fahrplan vorgängig zu studieren oder die Zeit im Restaurant zur Stärkung zu nützen. (Erfahrungsbericht anderer Wanderer: Da die Seilbahn nur 6 Personen Platz bietet, muss man für die Fahrt hinauf zur Bergstation Fisetenpass teilweise mit längeren Wartezeiten rechnen)
Fazit: Diese 4-Tageswanderung hat uns auf eindrückliche Weise die wunderschöne Berg- und Gletscherlandschaft vor Augen geführt. Eine konditionelle fordernde und technisch sehr abwechslungsreiche Route in alpiner, oft rauer Landschaft zwischen 2000 und 3000 m.ü.M. im Schwierigkeitsgrad T3/T4. Meine wahrscheinlich bisher eindrucksvollste Mehrtageswanderung in der Schweiz.
Fotos
4 Tage Glarner Alpen