Montenegro

Biker Infos

Allgemeines:
Montenegro bedeutet wörtlich übersetzt „Schwarzer Berg“, während der Landesname Crna Gora mit „schwarzes Gebirge“, „schwarzes bewaldetes Gebirge“ oder „schwarzer Wald“ übersetzt werden kann. Montenegro / Crna Gora ist ein seit dem 3.Juni 2006 wieder unabhängiger Staat in Südosteuropa, der mit einer Länge von 614 km an Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Kosovo und Albanien grenzt. Im Südwesten des Landes bildet das Adriatische Meer eine natürliche Grenze (293 km Küstenlinie).
Montenegro ist ein im europäischen Vergleich relativ dünn besiedeltes Gebirgsland im südöstlichen Teil des Dinarischen Gebirges. Es besitzt eine steil abfallende und durch Buchten (z.B. Bucht von Kotor) gegliederte Küste am Mittelmeer (Adria). Insbesondere ist die karge Karstregion in Westmontenegro sehr dünn besiedelt. Im nördlichen Landesteil finden sich die höchsten Erhebungen Montenegros und des gesamten Dinarischen Gebirges. Hier liegt auch das Durmitor Massiv mit dem höchsten Berg des Landes, dem Bobotov kuk auf 2522 m.ü.M.
Geschichte:
Nach dem 1.Weltkrieg (1918) wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen gegründet. Montenegro wurde als Teilgebiet Serbiens integriert. Während des 2.Weltkriegs wurde das Land italienisches Protektorat, bevor es dann 1945 zu Jugoslawien kam. Das im Jahr 1992 nach dem Austritt Kroatiens und Sloweniens aus dem Staatsverbund abgehaltene Referendum über den zukünftigen Status Montenegros entschied über den Verbleib Montenegros bei Serbien. Nach den Jugoslawien-Kriegen in den 1990er Jahren wuchsen die Differenzen zwischen Montenegro und Serbien zusehends. Am 21.05.2006 wurde eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit des Staates Montenegro abgehalten, wo sich eine breite Bevölkerungsmehrheit für die Abspaltung von Serbien aussprach.

Klima /Wetter:
Montenegro hat ein mittelmeertypisches Klima, d.h. milde Winter sowie sonnige, trockene und heisse Sommer. Gerade in den Sommermonaten Juli und August wird es an der Küste und im Landesinnern sehr heiss. Das Bergland mit Gipfelhöhen bis 2500 m weist aber je nach Höhe deutlich niedrigere Temperaturen sowie höhere Niederschläge und dichte Bewölkung auf. Schnee fällt hier von Dezember bis März und liegt zumindest an den höheren Nordhängen bis in den Juni hinein.  Während unserer Tour durch Montenegro vom 20.06.09 - 24.06.2009 erlebten wir wettermässig vorallem die Regenseiten mit vorallem im Gebirge dichterer Bewölkung und kühleren Temperaturen kennen (Wie wir später erfuhren traf das aber zu diesem Zeitpunkt auch auf die benachbarten Länder zu). Im Durmitor Gebirge lagen zudem ab einer Höhe von etwa 1800 m.ü.M. noch ganz wenige Schneeflecken.

Preisniveau:
Montenegro verwendet als allein gültige Währung den Euro. Das Preisniveau ist recht tief, Essen im Restaurant sowie Preise für Zimmer "Sobe" (wir zahlten in Zabljak im schönen Durmitorgebirge 10 Euro/Person) sind vor allem abseits des Tourismus sehr preiswert zu haben.

Radfahren:
Das Verkehrsaufkommen war praktisch im ganzen Lande sehr gering. Höchstens um Podgorica nimmt der motorisierte Verkehr etwas zu. Der Fahrstil inkl. die Ueberholmannöver der Autos/Lastwagen empfand ich als normal und meist sehr umsichtig. Besonders bei Lastwagen informierte ein Hupen häufig über das bevorstehende Ueberholmannöver. Zu meiner positiven Ueberraschung waren die Strassen auf der ganzen gewählten Route (teilw. neu) asphaltiert und somit (zumindest für Fahrradfahrer) in einem guten Zustand. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es durchaus noch ein paar wenige Schotterstrassen gibt. Durch die gebirgige Landesnatur mit steilen Bergen und tiefen Schluchten hat es jedoch immer mal wieder Steine auf der Strasse, welche mir als Fahrradfahrer jedoch keine Mühe bereiteten. Wichtig zu wissen ist ev. noch, dass die Routen entlang der Flüsse (Schlucht) meist nur geringes Gefälle aufweisen, sobald man sich aber dazu entschliesst diese nach links oder rechts zu verlassen eine ziemlich herausfordernde Steigung folgen kann (welche dann in neue,schöne Landschaften führen...). Ein Beispiel dazu ist dir Route von Bosnien her zum Piva-See und dann via Trsa ins Durmitor-Gebirge. Um noch das letzte Thema Fahrradwege anzuschneiden: es gibt keine!

Camping / Zimmer
Das wichtigste vor ab: Wer gerne wild campiert, der findet überall in Montenegro irgend ein Plätzchen. In den sehr schönen Schluchten ist es ev. etwas schwieriger bzw. es braucht etwas Geduld bis sich ein brauchbarer Ort finden lässt. Auch die Bewohner waren auf Anfrage bereit, uns für eine Nacht vor / neben ihrem Haus campieren zu lassen. "Sobe" (Zimmer) finden sich vor allem in den eher touristischen Orten und sind auf Nachfrage ebenfalls günstig. Campingplätze sind vor allem an der Küste zu finden, allerdings entdeckten wir auch im Hinterland vor allem bei Seen und nähe Nationalparks einige einfache Campingplätze. Da Montenegro (noch) keine touristische Massendestination ist, kann es aber vorkommen, dass Campingplätze ausserhalb der Hochsommersaison geschlossen sind.

Bei der Routenplanung zu berücksichtigen:
- Bucht von Kotor (grösster Fjord im östlichen Mittelmeerraum)
- Durmitor Nationalpark (Hochebene 1432 m) und Crno Jezero (Gletschersee)
- Tara Schlucht (2.grösste Schlucht der Welt - nur zugänglich bei Tara-Brücke)
- Kloster Ostrog (Kloster im Felsen)
- Nationalpark Biogradska Gora (5 Gletscherseen, Urwald)

Montenegro aus meiner Sicht:
Vor den Ferien (siehe Vorwort Tagebuch) beschäftigten mich beim Gedanken an Montenegro vor allem 2 Themen: Ist der Fahrstil wirklich so schlimm wie ich überall höre und lese? Und wie hart würde das bergige Montenegro wirklich sein (Von der Schweiz bin ich ja bereits einige Berge gewöhnt...).
Nun bin ich zurück von der Tour durch Kroatien, Bosnien und Montenegro und muss einfach sagen: Montenegro war der Hammer! Ich war völlig überrascht, dass ich mich praktisch während der ganzen Tour durch Montenegro in einer wunderschönen Landschaft fühlte und auch war. Ich fühlte mich in einem ständigen "Highlight"; die steilen schwarzen Berge, welche links und rechts zu bewundern waren, die engen und tiefen Schluchten wo man es irgendwie schaffte eine Strasse zu bauen. Eine herrliche Strecke über das Durmitor-Gebirge welches mich an die schönen schottischen Highlands erinnerte. Aber ja, es ist definitiv bergig! Auf den etwas mehr als 360 km durch Montenegro haben wir 4 Strassenpässe bewältigt und auch wenn kein Pass eingezeichnet ist, es ist praktisch nie flach! Gefälle von 7 - 10% sind zwar nicht die Regel, aber kommen doch ab und zu vor. Doch eine sinnvolle Routeneinteilung (es müssen ja nicht jeden Tag 100km sein) und die atemberaubende Landschaft können dafür sorgen, dass man die Route trotz körperlichen Strapazen auch geniessen kann. Trotz sprachlichen Unterschieden (häufig eher bescheidenen Englisch-Kenntnisse) wurden wir von den Bewohnern sehr gastfreundlich behandelt. Wie unkompliziert sie trotz sprachlicher Differenzen ihr Einverständnis gaben, dass wir z.B. gleich neben ihren Häusern campen durften, hat mich sehr positiv überrascht. Montenegro ist im Wandel! Für mich ganz klar ein Land das vor allem landschaftlich sehr viel zu bieten hat und deswegen in den nächsten Jahren vermehrt vom Tourismus "profitieren" wird. Bereits jetzt war augenfällig, wie die Strassen neu geteert wurden, wie z.B. nähe des Durmitor Gebirges hunderte touristische Hütten/Häuser aus dem Boden gestampft werden. Und vom "gefährlichen" Fahrstil habe ich gar nichts mitbekommen, dagegen sah man immer mal wieder die Polizei, welche Verkehrskontrollen durchführte. Auch kulturell kann Montenegro etwas bieten: Entlang der Routen gibt es einige schöne, alte Klöster. Aber auch die Altstadt von Kotor mit der eindrücklichen Bucht ist unbedingt ein Besuch wert. Und für uns das schöne ist: Das alles zu erschwinglichen Preisen zu haben ist und in den Restaurants die Fleischportionen grösser sind als jene der Beilagen... Montenegro; ein Geheimtipp für eiserne Biker!

Anforderungen:
Für einen gemütlichen, lockeren Fahrrad-Urlaub ist Montenegro definitiv das falsche Land. Wer aber die Herausforderung und allgegenwärtige Steigungen liebt, wild campen bevorzugt, der ist in Montenegro genau richtig!

Persönliche Bewertung:
Die Tour im " schwarzen Berg" (Montenegro) hat mich durch und durch fasziniert. Steile Gebirge, tiefe Schluchten, schöne Flüsse, das Durmitor Gebirge und schmale Strassen mit wenig Verkehr. Montenegro ein Geheim-Tipp für Biker!